12. Treffen Ehemalige Heimkinder OST in Torgau

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      12. Treffen Ehemalige Heimkinder OST in Torgau

      Heute war es nun soweit, ich bin zusammen mit meiner Tochter nach Torgau zum Treffen gefahren.
      Hatte schon ein etwas komisches Gefühl in der Magengegend um so näher wir dem Ort kamen. Ich war zwar selber nie in diesem Werkhof jedoch konnte ich in Burg sehen wenn Jugendliche von dort wieder zurück gebracht wurden sind, sie waren abgemagert und irgendwie nicht ganz bei der Sache.
      Vom Bahnhof ginge zu Fuß durch die Stadt Torgau. Dort angekommen aßen schon ehemalige Heimkinder auf dem Hof bei der Gullaschkanone tranken Kaffe und aßen Kuchen. Mir viel schon von der Kreuzung auf das hinter den Fenstern Gesichter von ehemalige Insassen des Werkhofes angebracht hatte.
      Ich lief erst einmal vorbei, zur Elbe. Erst als meine Tochter doch meinte wir sollten hingehen sind wir in den Hof.
      Dort haben wir dann gewartet bis es losging, zuerst im Dachgeschoß mit der Eröffnung und der Vorführung der Films "Schutzlos ausgeliefert, DDR-Heimkinder erzählen" mit einigen Pannen ging es auch ganz gut über die Bühne.
      Dann musste ich erst einmal eine Rauchen gehen im Hof, meine Tochter wollte auch was essen.
      Dann ging es an den Rundgang durch die Ausstellung, schon im Vorfeld hatte ich meiner Tochter aber gesagt sie solle sich es gut überlegen, da sie hier Sachen sehen wird die vielleicht über ihre Kräfte und Vorstellung hinaus gehen werden.
      Tapfer hielt sie jedoch durch, mit verschiedenen Leuten kam ich auch ins Gespräch, man konnte Gedanken austauschen. Sogar den Sohn des Gastwirtes aus Groß-Leuthen traf ich und wir kamen ins Gespräch, er erzählte mir das Kretschmar bei seinen Eltern in der Kneipe Stammkunde gewesen sei, da er bis ca. 1964 Leiter des Jugendwerkhofes in Groß-Leuthen war was ab 1965 dann Spezialkinderheim wurde.
      Nachdem Rundgang, war meine Tochter doch ganz schön schockiert was sie hier alles zusehen bekam.

      Mir ist jedoch aufgefallen das sich das Durchschnittsalter so um die 40-50 Jahre befunden haben muss. Ältere Generation konnte man nur selten wahrnehmen.

      Im November 2014 will man in Torgau eine Stehle einweihen, welche zum Gedenken derer ist welche die Hölle Torgau nicht überlebt haben.

      Zum Schluss hatte ich noch ein Kurzes Gespräch mit Frau Monse von der Anlauf und Beratungsstelle Leipzig, die hier auch vertreten waren um denen behilflich zu sein noch rechtzeitig einen Antrag zu stellen.

      Den ganzen Heimweg löcherte sie mich dann mit Fragen wie es denn da gewesen sei wo ich gewesen war. Ich sagte ihr wir hätten in JWH Burg auch Arrestzellen gehabt, genauso wie in Großleuten oder Hainewalde jedoch waren diese nicht so gesichert wie hier in Torgau. Da gab es zwar auch wenig zu Essen und man musste den ganzen Tag auf den Beinen bleiben da die Holzpritschen Hochgeschlossen wurden. Ich sagte ihr noch ich bin eigentlich froh das ich damals die Hölle von Torgau nicht durchleben musste, manchmal stand ich aber schon kurz davor.

      Im Zug auf die Fahrt zurück nach Leipzig kam ich noch mit einen ehemaligen Torgaues ins Gespräch, er war Älter als ich sah aber auch sehr Krank aus. Er sagte noch zu mir als wir uns verabschiedet haben, nach dann bis zum nächsten Jahr.

      Hier ist noch ein Bild vom Werkhof Torgau von heute:


      Gruß Volkmar
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      Wenn ich mir so Volkmars beide Bilder von Torgau betrachte, komme ich schon leicht ins Grübeln. Was Torgau war und vor allem wie das dort damals aussah, dass weiß unsere Generation noch genau (plus und minus verschiedener Altersstrukturen natürlich eingeschlossen). Aber: was weiß eigentlich die jüngere Generation, vor allem die Menschen, welche von einer DDR lediglich nur vom Hörensagen etwas wissen? Und dazu noch glauben, dass es ja alles so Schlimm nun auch nicht gewesen sei.

      Man sieht also ein Gebäude, welches recht schön anzusehen ist. Fein renoviert, im freundlichen Gelb angepinselt, dazu alles so gepflegt und Fenster ohne Gitter. Man könnte doch beinahe denken, das wäre schon immer so gewesen.

      Ein Gefängnis ist ein Gefängnis, egal ob neu, modern, alt oder verkommen. Jedermann erkennt die Eigenschaft eines solchen Gebäudes sofort anhand von Gittern und Stacheldraht. Torgau war auch ein Gefängnis. Sogar noch schlimmer, da hier Kinder und Jugendliche eingesperrt wurden. Aber was außer dieser Fotoplakate und dem Schriftzug erinnern daran, wenn ein unbedarfter und unwissender Mensch dies von außen sieht? Was denkt der sich so dabei? Dass es sich hier um eine Art Abenteuer handelt? Womöglich so eine Art Survivals Aktion für Leute, welche auf der Suche nach dem besonderen Kick sind?

      Man sieht dort drei Fotoplakate, welche zudem noch zugeparkt sind von Autos. Wer, der jetzt zufällig dort vorbei geht, nimmt das war, um was es sich eigentlich dreht? Man bedenke dabei diese allgemeine Gleichgültigkeit der Menschen heutzutage, wenn es um Negatives aus der Vergangenheit geht. Gerade unbedarfte Menschen, welche keinerlei Berührung mit dieser Vergangenheit haben, schauen doch dort gar nicht erst hin, höchstens mal so nebenbei.

      Ich selber war nicht in Torgau gewesen. Aber dieses Wort „Torgau“ war in meiner Heim- und JWH-Vergangenheit immer präsent. Selbst ich wusste damals nicht, was wirklich dort so geschah. Woher auch? Erst in den letzten Jahren habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, zuvor war das Wissen darüber auch mir entglitten. Einfach weil ich mich um andere Dinge gekümmert habe als wie um diese nicht gerade schöne Vergangenheit. Ich und auch andere direkt und indirekt Betroffene wissen, was sich hinter dem Begriff „Torgau“ versteckt. Aber weiß dies auch derjenige, welcher zufälligerweise dort entlang geht. Derjenige sieht eine gepflegte Gebäudeanlage, schön angepinselt in freundlichen Farbton, schön gestaltete Wege mit schicker Laterne davor. Was wird in dessen Kopf vor sich gehen, vor allem dann, wenn derjenige nicht weiß, wie es dort früher mal aussah? Möglicherweise noch denkt er, das war ja schon immer so. Der denkt sich dann: „ach, so schlimm kann es ja alles nicht gewesen sein!“

      Dies ging mir beim Betrachten dieser beiden Bilder gerade so durch den Kopf. Der eine oder andere wird jetzt sagen, es ist vielleicht doch recht übertrieben. Kann ja auch ein wenig so sein, aber Tatsache ist doch, dass von außen gesehen bis auf die Fotos und die Schrift nichts darauf hindeutet, dass es sich hierbei um eine ehemalige Hölle für Kinder handelt. Irgendwie müsste die Gestaltung nach außen hin doch ein wenig anders sein als wie es auf den Bildern aussieht. Das Haus und die Umgebung ist „zu Tode“ restauriert worden. Denn so war es nie.
      Hallo Ulli,

      ich selber war ja auch nicht dort, jedoch habe auch ich in meiner Heim- und JWH Zeit viel über diesen Ort gehört.
      Es mag stimmen, das das Haus nach Außen schön aussieht und nicht im Anblick daran erinnert was sich einmal hinter der Mauer abgespielt hat.
      Aber ist es nicht wichtig das es überhaupt eine Gedenkstätte gibt.
      Leider konnte ich auch nicht in die Gebäudeteile kommen wo sich früher die Zellen befanden, da diese durch einen privaten Investor zu Wohnungen Um- und Ausgebaut wurden sind.
      Jedoch wenn man die Ausstellung im Haus sich ansieht, kann man schon die Vorstellungen bekommen wie es hier war und auch zugegangen ist.

      Torgau wir für immer eine Gedenkstätte bleiben. Fraglich ist dann nur wie in drei oder vier Generationen weiter dies noch zur Kenntnis genommen wird.

      Gruß Volkmar
      :winke:
      Insofern hast Du ja Recht, wenn es „wenigstens“ innen drin eine Gedenkstätte geworden ist. Mehr kann man ja wohl leider heutzutage nicht erwarten. Aber trotzdem bleibt es von außen gesehen eine Art fake. Logischerweise hat der so genannte „Investor“ keinerlei Interesse daran, dass es alles ein wenig im anderen Licht erscheint, denn der will ja mit seiner Anschaffung Kohle machen. Und der Stadt Torgau wird es wohl auch eher daran gelegen sein, alle negativ besetzten Dinge der Vergangenheit unter den Teppich kehren zu wollen. Man wird ja wohl lieber Touristen anlocken wollen als Menschen, welche sich mehr mit den Auswüchsen der Boshaftigkeit einer nicht mehr existenten Gesellschaft beschäftigen. Daran kann man ja nichts verdienen.

      Aber ein wenig bedenklich ist und bleibt es trotzdem. Stelle Dir vor, jemand kommt als „Investor“ daher und übernimmt das Gefängnis Plötzensee, Hoheneck, Bautzen 2 oder was auch immer (weil der Staat dafür kein Geld mehr hat) und machst daraus eine Art Erlebniswelt einschließlich Wohnungen mit besonderem Flair. Oder noch schlimmer, aus einer Gedenkstätte, zB. dem Stasiknast in Berlin, macht irgendein Spinner eine Art Disneypark mit Würschtelbuden, Kinderkarussell und Hüpfburgen. Das meine ich damit, wenn der Menschheit die Ernsthaftigkeit und das Verständnis abhandenkommt und solcherart krankhafte Dinge entstehen.

      Sei es, wie es sei, ich mache mir zumindest über so etwas hin- und wieder Gedanken. Denn, mit zunehmenden Generationen wird das Interesse und auch das Wissen an vergangenen Dingen immer mehr schwinden. Es ist demzufolge schon wichtig, an diese damaligen Zustände zu erinnern. Aber ich finde, es könnte durchaus noch ein wenig mehr davon sein.
      Ich selber war ja auch nicht in Torgau - auch nicht in der DDR - aber ich hab mir vor 3 Jahren die "Gedenkstätte" angeschaut und muss sagen, daß es mich erschüttert hat was ausserhalb der kleinen Gedenkstätte aus dem JWH geworden ist
      imheim.net/index.php?page=Thread&threadID=418



      Ulli schrieb:

      Aber ein wenig bedenklich ist und bleibt es trotzdem. Stelle Dir vor, jemand kommt als „Investor“ daher und übernimmt das Gefängnis Plötzensee, Hoheneck, Bautzen 2 oder was auch immer (weil der Staat dafür kein Geld mehr hat) und machst daraus eine Art Erlebniswelt einschließlich Wohnungen mit besonderem Flair. Oder noch schlimmer, aus einer Gedenkstätte, zB. dem Stasiknast in Berlin, macht irgendein Spinner eine Art Disneypark mit Würschtelbuden, Kinderkarussell und Hüpfburgen. Das meine ich damit, wenn der Menschheit die Ernsthaftigkeit und das Verständnis abhandenkommt und solcherart krankhafte Dinge entstehen.

      Und über kurz oder lang wird es so kommen und noch schlimmer, daß sich dann auch noch die "Investoren" verbitten und verbieten, daß über ihr Projekt von der "dunklen Vergangenheit" geschrieben und Bilder aus jener Zeit veröffentlicht werden . Alles schon passiert - selbst hier im Forum
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