Medikamentenversuche an Heimkindern

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      Medikamentenversuche an Heimkindern

      Eigentlich nichts Neuees - aber im Moment wird es wieder hochgekocht. Nur werden auch diesmal daraus keine Konsequenzen für die Ehemaligen gezogen - leider.

      Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte
      Arzneimittelstudien an Heimkindern

      Sylvia Wagner
      1. Einleitung
      Obwohl ehemalige Heimkinder immer wieder berichteten, dass ihnen in den Erziehungseinrichtungen in dem Zeitraum von 1950 bis etwa Mitte der 1970er Jahre zum Teil über Jahre sedierende Arzneimittel verabreicht wurden, ist dieser Aspekt der Heimgeschichte bisher nur ansatzweise aufgearbeitet worden. Einige der Betroffenen äußerten die Vermutung, dass an ihnen Arzneimittelstudien durchgeführt worden seien. Als der Runde Tisch Heimerziehung (RTH) im Jahre 2009 seine Arbeit aufnahm, forderten ehemalige Heimkinder deshalb, dass auch das Thema Arzneimittel dort Beachtung finden sollte. Dies wurde jedoch abgelehnt. ..... weiter lesen
      Quelle: ,,,,,,,,,,,,,duepublico.uni-duisburg-essen.…42079/04_Wagner_Heime.pdf

      Medikamentenversuche an Heimkindern auch in NRW
      www1.wdr.de/nachrichten/medika…suche-heimkinder-100.html

      Medikamentenstudien mit Schleswiger Heimkindern
      ndr.de/nachrichten/schleswig-h…indern,heimkinder168.html

      Medikamententests Das lange Leiden nach dem Kinderheim
      spiegel.de/gesundheit/diagnose…kinderheim-a-1075196.html

      Lebe im Heute
      Gestern ist vorbei - Morgen kommt erst


      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Ein Thread betitelt »Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND« besteht im HEIMKINDER-FORUM.DE @ http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/18400-Medikamententests-an-Heimkindern-in-WESTDEUTSCHLAND/ schon seit Mittwoch, 3. Februar 2016, um 05:59 Uhr (MEZ/CET).
      Ehemalige Heimkinder-WEST sind gefragt: Wer selbst persönliches Wissen, was dieses Thema betrifft, hat, sollte dies unbedingt kund tun.

      Und folgende Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Sozial.Geschichte Online 19 (2016) S. 61–113 betrifft genau dieses Thema:


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      Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der HeimgeschichteArzneimittelstudien an Heimkindern, SILVIA WAGNER, Sozial.Geschichte Online 19 (2016) [ @ http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf (insgesamt 54 digitale Seiten --- anfangend auf Seite 61 der Drucksache selbst --- Abschluss auf Seite 113 der Drucksache selbst) ]

      [ „Dies ist eine Veröffentlichung der Sozial.Geschichte Online lizenziert nach [Creative Commons – CC BY-NC-ND 3.0]“ --- Dieser Hinweis, am Ende des Originals dieses Artikels ist noch etwas länger und detaillierter. Jeder sollte selbst dort nachsehen und sich genau informieren. ]

      1. Einleitung

      Obwohl ehemalige Heimkinder immer wieder berichteten, dass ihnen in den Erziehungseinrichtungen in dem Zeitraum von 1950 bis etwa Mitte der 1970er Jahre zum Teil über Jahre sedierende Arzneimittel verabreicht wurden, ist dieser Aspekt der Heimgeschichte bisher nur ansatzweise aufgearbeitet worden. Einige der Betroffenen äußerten die Vermutung, dass an ihnen Arzneimittelstudien durchgeführt worden seien. Als der Runde Tisch Heimerziehung (RTH) im Jahre 2009 seine Arbeit aufnahm, forderten ehemalige Heimkinder deshalb, dass auch das Thema Arzneimittel dort Beachtung finden sollte. Dies wurde jedoch abgelehnt. Im Abschlussbericht des RTH finden nur die Verabreichung der Medikamente und eine Arzneimittelstudie an Heimkindern über die Prüfung des Neuroleptikums Truxal in dem Heim Neu-Düsselthal Erwähnung.1 In dieser Studie heißt es:

      „Wenn es im Rahmen der Heimerziehung zu generellen und kollektiven Behandlungen bzw. Sedierungen gekommen ist, die weniger den Kindern und Jugendlichen als der Disziplin im Heimalltag oder gar der Erforschung von Medikamenten zuträglich waren, ist dies als Missbrauch zu beurteilen und erfüllt ggf. den Tatbestand der (schweren) Körperverletzung – auch nach damaligen Maßstäben. Ob und in welchem Umfang eine solche Praxis vorkam, kann jedoch so viele Jahre später schwer beurteilt werden“.2

      In diesem Beitrag werden erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes zusammengefasst, die eine neue Perspektive auf die Prüfung von Arzneimitteln in Heimen zwischen den 1950er und Mitte der 1970er Jahre ermöglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Studie von Neu-Düsselthal keine Ausnahme war, sondern dass in dem genannten Zeitraum in deutlich größerem Ausmaß als bisher bekannt Arzneimittelstudien an Heimkindern durchgeführt wurden. Der Beitrag rückt die Rolle der Medizin und Mediziner, die in der bisherigen Aufarbeitung der Geschichte der Heimkinder weitgehend unberücksichtigt blieb, in den Fokus.

      Untersucht wird in dieser Arbeit zunächst die Situation in der BRD. Einen Vergleich zur DDR ist nur ansatzweise möglich (siehe Abschnitt 5.1). Eine Studie von Karsten Laudien und Christian Sachse liefert erste Hinweise über Arzneimittelstudien in den dortigen Kinderheimen.3 Ebenso gibt es Anhaltspunkte für entsprechende Praktiken in anderen Staaten. Ein Forschungsprojekt in der Schweiz widmet sich gegenwärtig der historischen Aufarbeitung von Arzneimittelstudien, die in den 1960er und 70er Jahren unter der Leitung des Psychiaters Roland Kuhn, dem Entdecker des ersten Antidepressivums, unter anderem an Heimkindern durchgeführt wurden.4 In den USA erschien 2004 eine Reportage über HIV-positive Kinder in New Yorker Heimen, an denen bis dahin unerprobte Medikamente getestet worden seien.5

      Diese Studie versucht in erster Linie, das Versäumnis des RTH aufzuarbeiten. Im Forschungsprozess kam zudem die Frage auf, inwieweit in den durchgeführten Arzneimittelstudien an Heimkindern in der BRD eine Kontinuität des Menschenbildes festzustellen ist, das während der Zeit des Nationalsozialismus zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit geführt hat. Die Studie untersucht daher den beruflichen Werdegang der an den Versuchen beteiligten Forscher, Ärzte und Mitarbeiter institutioneller Träger und stellt in zahlreichen Fällen bruchlose Berufsbiographien von an NS-Verbrechen verantwortlichen Medizinern in der BRD fest. Drittens beleuchte ich, inwieweit Arzneimittelstudien an Heimkindern dazu beitrugen, durch eine systematische Medikalisierung die Funktionsweise der Heime als „totaler Institution“ nach Erving Goffman zu optimieren (siehe die Abschnitte 8.2 und 8.3).6 Auch diese Perspektive sollte nicht übersehen werden.

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      [ Fußnoten ]

      1 Vgl. Uwe Kaminsky, Die Verbreiterung der „pädagogischen Angriffsfläche“, in: LVR (Hg.), Verspätete Modernisierung; Öffentliche Erziehung im Rheinland – Geschichte der Heimerziehung in Verantwortung des Landesjugendamtes (1945–1972), Essen 2011, S. 485–494.
      2 Abschlussbericht RTH, Berlin 2010, S. 20.
      3 Karsten Laudien / Christian Sachse, Expertise zur „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“, Berlin 2012, S. 248ff.
      4 Simone Rau, Medikamententests an Heimkindern werden untersucht, Tages-Anzeiger, 29. Mai 2015.
      5 Dominik Groß, Ethische Grenzen humanmedizinischer Forschung, in: Volker Schumpelick / Bernhard Vogel (Hg.), Innovationen in Medizin und Gesundheitswesen, Freiburg 2010, S. 415–439, hier S. 427.
      6 Erving Goffman, Asyle – Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen, Frankfurt am Main 1981.

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      BITTE SELBST WEITERLESEN UND STUDIEREN IM ORIGINAL @ http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Ich veröffentlichte diesbezüglich ja auch schon am Sonntag, 31. Januar 2010, um 10:36 Uhr (MEZ/CET) unter folgender Überschrift »GERMAN INSTITUTIONS: Unglaubliches Ausmaß grausamer Menschenrechtsverletzungen«, u.a., @ http://www.chefduzen.de/index.php?topic=10331.msg190791#msg190791, einen Beitrag, den ich, wegen seiner außerordlichen Wichtigkeit und Relevanz, jetzt auch hier im genauen Wortlaut aufführe:

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      GERMAN INSTITUTIONS: Unglaubliches Ausmaß grausamer Menschenrechtsverletzungen in der damaligen nachkriegsdeutschen Heimerziehung !

      CHURCH ABUSE and STATE ABUSE, and they were equally responsible and are equally liable !

      "Abuse was not the failure of the system, abuse was the system !"


      „Abusus war nicht das Verfehlen des Systems, Abusus war das System !“

      Unglaubliches Ausmaß grausamer Menschenrechtsverletzungen in der BRD !


      Mag vielleicht kein Anwalt sein, der dies geschrieben hat, aber immerhin soll und muß, meines Erachtens, auch DIES unbedingt berücksichtigt werden:

      Verfasst von »Gast« am 26. Januar 2010 - 07:06 Uhr MEZ.

      ...und gepostet von »Gast« auf der Internet-Plattform evangelisch.de @ http://www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/runder-tisch-heimkinder-legt-zwischenbilanz-vor10507 zu ihrem Artikel vom 22.01.2010 »Runder Tisch Heimkinder legt Zwischenbilanz vor«


      [ evangelisch.de: Verlag Hansisches Druck- und Verlagshaus. Das Hansische Druck- und Verlagshaus (HDV) ist eine 100%ige Tochtergesellschaft des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik gGmbH und Verlag des evangelischen Magazins chrismon. Evangelisch.de wird in enger Kooperation mit der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) produziert.]

      GAST-KOMMENTAR JETZT NICHT MEHR DORT VORHANDEN!

      »»» Verfasst von »Gast« am 26. Januar 2010 - 07:06 Uhr MEZ.

      Wenn man bedenkt welche Firmen an der unentlohnten Zwangsarbeit an Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland ( BRD ) während des so genannten „Wirtschaftswunder“ davon profitiert haben.

      Claas Gruppe: CLAAS KGaA mbH, Harsewinkel
      Hella KGaA Hueck & Co., Lippstadt
      RECTICEL SCHLAFKOMFORT GmbH - SCHLARAFFIA - Bochum

      weltbekannte Marken wie Miele, Rowenta, Braun und Grundig
      verschiedene Anbieter von Krankenhaus-, Haushalts- und Wäscherei-Diensten

      Und das sind bestimmt nicht die einzigen gewesen.

      Und man sollte dabei immer bedenken, dass die Kirchen nie in der Lage gewesen wären, dieses unglaubliche Ausmaß der grausamen Menschenrechtsverletzungen zu vollbringen, wenn die zuständigen Jugendämter, Gerichtsbarkeiten und die Landesparlamente nicht Ihre schützende Hände darüber gehalten hätten. Der Staat (und damit meine ich nicht die Bürger) und die Kirche haben gemeinsame Sache gemacht. Und auch nach dieser Zeit (quasi bis zum heutigen Tage) hat der Staat trotz Wissen dieser groben Verstöße gegen die Menschenrechte keine strafrechtliche Verfolgung eingeleitet. Somit greift meiner Meinung nach auch nicht das Gesetz der Verjährung. Denn es gibt vom BGH ein Urteil dazu [ 5 StR 451/99 - BESCHLUSS vom 09.02.2000; steht zur Verfügung als PDF @ http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/07/bgh-pansold-dopingopfer.pdf ( 9 Seiten; 1.3 MB ) ]:

      [ betreffend einem Strafverfahren ] in dem die Revision eines Angeklagten ( ehemaliger Dopingarzt [ (IM) „inoffizieller Mitarbeiter (STASI)“ "Jürgen Wendt" - Dr. Bernd Fritz Pansold aus Wien, Österreich (wo er sich nach der Wende niedergelassen hat) ] ) auf VERJÄHRUNG NIEDERGESCHLAGEN wurde. Nach dieser Vorschrift unterliegen Verbrechen gegen den Frieden, die Menschlichkeit und die Menschenrechte und Kriegsverbrechen nicht den Bestimmungen über die Verjährung. Weil die betroffenen minderjährigen Sportlerinnen von Staats wegen ohne Rücksicht auf gravierende Gesundheitsschädigungen – z.B. mögliche Lebertumore oder schwerwiegende Herzerkrankungenfür staatliche Zwecke missbraucht wurden. Dieser schwerwiegende Rechtsbruch ist als Menschenrechtsverletzung zu werten. Zu Recht ist somit im Ergebnis von dem Ruhen der Verjährung dieser UNRECHTSTATEN auszugehen, da sie systemimmanent durch das totalitäre Regime der SED nicht verfolgt wurden.

      Auch in unseren Fällen [ was ehemalige Heimkinder betrifft ] fand von staatswegen keine strafrechtliche Verfolgung gegen schwere Menschenrechtsverletzungen statt. [ *** ] Die BRD war zwar kein totalitäres Regime. Aber das System der Kinderheime in der BRD war ein totalitäres Regime. Ein Regime welches vom Staat nicht nur gedeckt wurde sondern [ in welchem ] auch [ der Staat ] sich daran beteiligt hat. Und das bis zum heutigen Tage. Obwohl die deutsche Gerichtsbarkeit und die Staatorgane es gewusst haben. Die Täter hätten schon damals angeklagt werden müssen. Aber man hat trotz des Wissens von schweren Verstößen gegen die Menschenrechte damals und die Jahre danach nicht einen der Täter angeklagt, vor Gericht gestellt und somit auch keinen rechtskräftig dafür verurteilt.

      Zum Schluss von einer der Erzieherinnen gegenüber meiner Person: Ich hasse diesen Bastard. Vater kriminell und Alkoholiker, Mutter kriminell und Alkoholikerin. Der Apfel fällt nicht weit vom Baum. Am besten sollte man Ihn ersäufen, dann wird er in der Zukunft dem Steuerzahler nicht mehr auf der Tasche liegen.

      Daran ist leicht zu erkennen welches Gedankengut in der damaligen Heimerziehung steckte. «««

      [ *** Siehe DAZU, u.a., auch @ http://www.heimkinder-ueberlebende.org/Absolute-prohibition-of-every-form-of-forced-labour-and-compulsory-labour_-_Is-my-interpretation-of-this-international-law-the-ILO-Convention-C029-correct_-_or-not.html und @ http://www.heimkinder-ueberlebende.org/Former-German-wards-of-the-state,-institutionalised-children-used-as-slave-labourers-demand-adequate-compensation-and-the-making-of-appropriate-amends_-_no-compromise.html ]
      _____________

      Meine eigene momentane Unterschrift: Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      TAGS / LABELS: Bernd Fritz Pansold, BGH, Braun, CHURCH ABUSE, Claas, GERMAN INSTITUTIONS, Grundig, Heimerziehung, Hella, Menschenrechten, Menschenrechtsverletzungen, Miele, Schlaraffia, STATE ABUSE, Zwangsarbeit

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Siehe die persönliche diesbezügliche Stellungnahme von dem Evangelischen Pfarrer i.R. Dierk Schäfer, Diplom-Pädagoge und Diplom-Psychologe, in seinem Blog, Dierk Schaefers Blog vom Mo. 19.09.2016, um 18:44 Uhr (MEZ/CET) »Kinder als Versuchskaninchen« @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/

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      Kinder als Versuchskaninchen
      by dierkschaefer

      [ Weiterverbreitung des Ganzen erlaubt und ausdrücklich erwünscht! ]

      Arzneimittelstudien an Heimkindern kamen angeblich nur selten vor. Das sieht aber anders aus. Die Studie1 nennt es „ein Versäumnis des Runden Tisches Heimkinder“ [bzw.ein Versäumnis des Runden Tisches Heimerziehung“ („RTH“)] und fragt, „warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesem Thema näher zu befassen.“

      Als pauschale Antwort bietet sich an, dass der Runde Tisch unter Vorsitz von Antje Vollmer offensichtlich bemüht war, die Verantwortlichkeiten nicht ausufern zu lassen. Die staatlichen und kirchlichen Heime und ihre Schwarze Pädagogik2 konnte man schlecht aussparen, dafür aber deren finanzielle Risiken gering halten. Doch für die Medikamentation waren nicht nur die verabreichenden Mitarbeiter der Einrichtungen verantwortlich, sondern große Firmen, die in den Heimen Versuchsreihen starten konnten3, Versuchsreihen, die von Medizinern geplant wurden, deren Berufsbiographien in zahlreichen Fällen bruchlos in die Zeit zurückreichten, in denen sie für NS-Verbrechen verantwortlich waren.4 – Damit hätte man die Pharma-Firmen belastet. Das wollte Frau Vollmer wohl nicht.

      Auch im Falle der Zwangsarbeit5 hat sie abgeblockt und damit heute noch bestehende und renommierte Firmen unter ihren Schutzmantel6 genommen.7 8

      Mir fallen keine unverfänglichen tiefer schürfenden Antworten auf die Frage ein, warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesen Themen näher zu befassen.

      Die Sache mit den Medikamententests an nichteinwilligungsfähigen Personen ist leider ein aktuelles Thema geworden.9

      Fußnoten

      1 http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf

      2 https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_P%C3%A4dagogik
      3 https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/03/demenz-die-medikamente-dafuer-wurden-an-heimkindern-getestet/

      4 Die „Moderatorin“ des Runden Tisches, die den Begriff Zwangsarbeit nur für Nazi-Zwangsarbeit verwendet sehen wollte. Sie sah darüber hinweg, daß die „Arbeitstherapeuten“ in den Heimen vielfach ehemalige SA-Leute und die Gutachter einschlägig belastet waren. In den Heimen – kirchlich wie staatlich – hatten wir die Fortsetzung des Nazi-Systems. Frau Vollmer in ihrer grün-christlichen Bigotterie hat das nicht bekümmert. Sie sprach zwar von erzwungener Arbeit, bat jedoch die Profiteure nicht zur Kasse und sah völlig darüber hinweg, daß es Zwangsarbeit nicht nur für Jugendliche gab, sondern auch für Kinder. https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/06/17/zwangsarbeit-in-ost-und-west-was-sind-die-unterschiede/

      5 https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/05/05/zwangsarbeit-nicht-nur-fur-ikea

      6 https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzmantelmadonna

      7 Die Zwangsarbeit. Eine geringe Pauschalentschädigung als Rentenersatz gibt es, anders als in Irland, bei uns nur für Jugendliche, die Zwangsarbeit leisten mußten, wobei der Begriff Zwangsarbeit peinlichst vermieden wird. Es gibt keine Lohnnachzahlung, weder von den kirchlichen, noch von den staatlichen Einrichtungen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben. Auch nicht von der Privatwirtschaft, die gut an den Kindern verdient hat. Es schien wohl nicht opportun, die Betriebe, darunter Firmen mit großer Bedeutung, zwangszuverpflichten. Zwangsarbeit ja, Zwangsentschädigung nein.

      Und für die Zwangsarbeit von Kindern gibt es GAR NICHTS. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/09/er-ist-ein-priester-du-must-ihm-gehorchen/

      8 Antje Vollmer, Moderatorin des westdeutschen Runden Tisches für ehemalige Heimkinder, mied wie der Teufel das Weihwasser die Anwendung des Begriffs Zwangsarbeit auf die Ausbeutung der ehemaligen Heimkinder (West!) durch respektable Industriebetriebe und einzelne Bauern. Sie wollte den Begriff ausschließlich für die Zwangsarbeit für Nazi-Deutschland gelten lassen. Und so tauchten weder der Begriff noch der Sachverhalt im Abschlußbericht des Runden Tisches auf. Die Nutznießer der Zwangsarbeit wurden nicht nur nicht am Fonds beteiligt, sondern blieben unerwähnt. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/29/zwangsarbeit-ost-und-zwangsarbeit-west/
      9 https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/05/25/medikamententests-und-nicht-einwilligungsfaehige-personen-ein-ideales-menschenmaterial/

      dierkschaefer | 19. September 2016 um 18:44 | Tags: DDR-Heimkinder, ehemalige Heimkinder, Entschädigung, heimkinder, Kinderheime, kindeswohl, Kirche, Kirchen, Medizin, Missbrauch, Misshandlung, Opfer, Runder Tisch, Staat, Versuchskaninchen, Zwangsarbeit | Kategorien: DDR, Deutschland, Ethik, Firmenethik, Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kinderheime, Kinderechte, Kindeswohl, kirchen, Korruption, Kriminalität, Kriminologie, Moral, Nazivergangenheit, Padägogik, Recht, Staat, Täter, Wirtschaft, Wissenschaft | URL: wp.me/pulUf-1Tt

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      Erstveröffentlichung des Originals: Montag, 19. September 2016, um 18:44 Uhr (MEZ/CET) @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/ (Erhalten in Australien per Email am 19.0.9.2016 zur weitest möglichen Weiterverbreitung und Weiterveröffentlichung.).
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Drei von den dortigen insgesamt 24 Antworten verschiedener Kommentatoren zur Stellungnahme zu diesem Thema von Dierk Schäfer ausgeführt im unmittelbar vorhergehenden Beitrag hier in diesem Thread; d.h. @ http://imheim.de/forum/index.php/Thread/2971-Medikamentenversuche-an-Heimkindern/?postID=109283#post109283 :

      [ Bedeutung der hier verwendeten Abkürzung „RTH“ = „Runder Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ (Laufzeit: 2009/2010 in Berlin, unter Vorsitz der Schirmherrin Antje Vollmer) (Siehe „Eine unabhängige Autorität?“ – FAZ Volker Zastrow 05.04.2010 @ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/missbrauchsskandal-eine-unabhaengige-autoritaet-1964879.html ) ]

      1. ekronschnabel sagte, am 20. September 2016 um 14:31 Uhr
      @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/#comment-7628


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      Man gehe auf die Homepage von Antje Vollmer – und dort trifft man auf die geballte Bigotterie dieser Kirchentante mit grünem Mäntelchen. Warum sie lavierte wie sie lavierte? Sie erhob sich zur Richterin in eigener Sache, die in ihrer Kirchenverbundenheit ruht. Wenn man am RTH ehrlich gearbeitet hätte, wären die Verbrechen der Kirchen und deren Drecksfirmen = Heime noch stinkender hervorgetreten. Antje und ihre Brüder im Glauben schämten sich keinesfalls, erneut Verbrechen an den Opfern zu begehen. Sie wussten ja, dass man sie nicht juristisch belangen kann. Und moralische Verpflichtungen gegenüber den Opfern der Kirchenganoven? Pipikram, da steht man drüber, ging und geht doch nur um Heimkinder. Medikamentenversuche, na und? Scheissegal, ob ein paar mehr oder weniger dieser Heimbastarde verrecken oder nicht, die Jugendämter sorgten schon dafür, dass neue Sex- und ZwangsarbeiterInnen nachgeliefert wurden!

      „Was wollt ihr eigentlich noch von mir?“ fragt die Vollmer heute. Die muss ihre Pfoten nicht mal in Unschuld waschen, das Weib trug schon am RTH Gummihandschuhe und Fischerstiefel, weil sie genau wusste, dass sie am Ende ihrer „Moderation“ bis zu den Hüften in der Scheisse steht, die sie und die anderen Knilche aus der Ecke der Täternachfolger anrührten.

      Die Frau Ex- und hopp – Bundestagspräsidentin…ein herrliches Beispiel für bigotte, größenwahnsinnige, menschenverachtende und ekelhaft auftretende, abgebrühte Kirchenleute. Stalin, dessen krankes Denken und Handeln ich verabscheue, lag aber in einem Punkt richtig: Weg mit allem, was KIRCHE heisst!

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      2. dierkschaefer sagte, am 20. September 2016 um 15:03 Uhr
      @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/#comment-7630


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      Das ist nett, lieber Herr Kronschnabel, dass Sie die Kirchenleute, die Sie meinen, genauer beschreiben. Das ist eine in welchem Umfang auch immer begrenzte Gruppe. Das lässt die Möglichkeit offen, dass es darüber hinaus auch anständige Leute geben könnte. Ich kenne viele davon, und sie verstehen sich als Kirche.
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      3. Helmut Jacob sagte, am 20. September 2016 um 15:37 Uhr
      @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/#comment-7631


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      Dass Vollmer und andere moralische Dreckspatzen dieses Thema nicht an den RTH gelassen haben, ebenso nicht das Thema „Behinderte Heimkinder“ und „Zwangsweise in die Psychiatrien Eingewiesene“ ist verständlich. Der Dreckhaufen würde so hoch wachsen, dass der gesamte RTH in der Scheiße ersticken würde. Die Dame wusste genau, wo es heikel wird. Und die Kirchenadvokaten ebenso. Dabei haben sie sich dreier, völlig überforderten „Heimopfervertreter“ bedient, die nicht einmal erwünscht waren. Sie haben diese drei für ihre schmutzigen Machenschaften missbraucht. Hätten sie diese Themen aufgearbeitet, wären Milliarden auf Staat, Länder und Kirchen zugekommen. Sie hätten sich in ihrer moralischen Verkommenheit nicht mehr hinter 10.000,-€ verschanzen können.

      Übrigens, lieber Herr Schäfer, das mit den anständigen Talarträgern glaube ich Ihnen gerne. Aber die haben den Weg Christi sicher nicht so ganz aufmerksam verfolgt. Der stand auf der Seite der Schwachen und hat auch seinen Mund gegen Pharisäer aufgemacht. Ich sehe immer nur einen, der öffentlich auf der Seite der Schwachen steht. Sie tragen, wenn Sie es noch tun, dieses schwarze Gewand zurecht.

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      "Medikamentenversuche"+"Frontal 21 vom 02.02.2016"



      https://www.youtube.com/watch?v=0qmalGJiGO4


      Kommentar: „Wie Heimkinder in den 60ern mit Truxal sediert wurden als Medikamententest in Überdosen!“ (Thema beginnt bei 8.42 bei diesen Video).

      Desweiteren: DOCPLAYER sowohl wie MANUSKRIPT der ZDF-Sendung "Frontal 21 vom 02.02.2016" : »Kinder als Versuchskaninchen - Medikamententests in Heimen« @ http://docplayer.org/19953098-Beitrag-kinder-als-versuchskaninchen-medikamententests-in-heimen.html (insgesamt 6 Seiten).


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      Manuskript

      Beitrag: Kinder als Versuchskaninchen -
      Medikamententests in Heimen

      Sendung vom 2. Februar 2016

      von Otto Langels und Daniela Schmidt-Langels

      Anmoderation:
      Es ist eine Geschichte aus der Vergangenheit, die erschreckend in die Gegenwart hineinragt. Bis in die 60er Jahre, womöglich sogar länger, haben Pharmafirmen Medikamente an Heimkindern testen lassen. Es ist eine Geschichte, die schwer zu ertragen ist und die schwer zu recherchieren war. Denn in den Archiven ist nicht viel übrig geblieben. Die Spuren sind verwischt. Die Täter, darunter auch Ärzte, die während der NS-Zeit Kinder als „lebensunwert“ in den Tod schickten, blieben unbehelligt. Die Opfer aber, die der Willkür solcher Ärzte wehrlos ausgesetzt waren, leiden bis heute. Mit Daniela Schmidt-Langels und Otto Langels haben sie erstmals über ihre Kindheit gesprochen. Eine Kindheit als Versuchskaninchen.

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      SELBST WEITERLESEN IM ORIGINAL: ZDF-Sendung "Frontal 21 vom 02.02.2016" : »Kinder als Versuchskaninchen - Medikamententests in Heimen« @ http://docplayer.org/19953098-Beitrag-kinder-als-versuchskaninchen-medikamententests-in-heimen.html (insgesamt 6 Seiten).
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Ich berichtete schon Anfang Oktober 2016 an verschiedenen anderen Stellen im Internet: Mit Bezug auf Berichte und Aussagen ausgehend vom Evangelischen Pressedienst veröffentlichte das Hamburger Abendblatt schon vor 12 Monaten einen aufschlussreichen Artikel zu diesem Thema, eine Veröffentlichung die weiterhin hier festgehalten bleibt (aber dort selbst nur gegen Entgeld gelesen werden darf): http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article205793077/Wurden-Medikamente-an-Bremer-Heimkindern-getestet.html?service=mobile

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      24.09.2015

      BREMEN/DÜSSELDORF

      [ Symbolfoto ]
      Symbolfoto-Beschriftung: In westdeutschen Erziehungsheimen hätten anscheinend verschiedene Firmen flächendeckend Medikamente wie Psychopharmaka ausprobiert, sagt die Doktorandin Sylvia Wagner (Symbolfoto)

      Wurden Medikamente an Bremer Heimkindern getestet?

      Düsseldorfer Forscherin [
      Silvia Wagner] untersucht Vorgänge in den 50er bis 70er Jahren. Spur führt zu ehemaligen Rotenburger Anstalten in Bremen.

      Bremen/Düsseldorf. – Nach dem Krieg waren Bewohner geschlossener Heime in Deutschland offenbar Opfer von Medikamentenmissbrauch und pharmazeutischen Versuchsreihen.

      Indizien und einen Präzedenzfall hat die Düsseldorfer Doktorandin Sylvia Wagner (51) in den ehemaligen Rotenburger Anstalten bei Bremen gefunden. In westdeutschen Erziehungsheimen hätten anscheinend verschiedene Firmen flächendeckend Medikamente wie Psychopharmaka ausprobiert, sagte Wagner am Donnerstag in Rotenburg. Mit der Forschung dazu stehe sie noch "ganz am Anfang", das Thema sei schwierig und brisant.

      Wagner recherchiert zurzeit in den jetzigen Rotenburger Werken der Inneren Mission [ d.h. im Verbund der Diakonie - MM ] für eine Dissertation zum Thema "Medikamenteneinsatz in Erziehungseinrichtungen der BRD in den 1950er bis 1970er Jahren". Die Arbeit soll bis Anfang 2017 im Fachbereich Geschichte der Pharmazie an der Universität Düsseldorf vorliegen. Die Werke seien kooperativ und hätten selbst ein Interesse an der Aufarbeitung. Es sei gut, dass es hier überhaupt Akten gäbe: "Das ist oft nicht der Fall."

      Den Opfern sind Wagner zufolge oft verschiedene Pharmazeutika gleichzeitig in häufig viel zu hoher Dosierung verabreicht worden. Die Werke seien in dieser Hinsicht aber nur eine Einrichtung unter vielen. "Das hat größere Dimensionen."

      Die Wissenschaftlerin ist über einen ehemaligen Bewohner auf die diakonische Einrichtung aufmerksam geworden, in der heute knapp 1.600 Beschäftigte etwa 1.130 Bewohner begleiten. Der heute 56-Jährige war elf Jahre in den Rotenburger Anstalten für geistig behinderte Menschen, obwohl er gar nicht behindert war. "Wegen familiärer Probleme, meine Eltern waren ja nicht verheiratet, ich war ein uneheliches Kind, hielt man es für nötig, mich in einem Heim unterzubringen", sagte er dem Deutschlandfunk.

      Unter dem Medikamentenmissbrauch und der damals ihm gegenüber ausgeübten auch sexuellen Gewalt leide er bis heute, sagte der Mann, der mittlerweile in Berlin lebt. Die Erlebnisse in den Rotenburger Anstalten seien ihm "in den Knochen steckengeblieben, das werde ich auch mit in mein Grab nehmen".

      Forschungsteam soll Vorwürfen ehemaliger Bremer Heimkinder nachgehen

      Zeitgleich zu den Recherchen von Wagner will ab November ein dreiköpfiges Forschungsteam Vorwürfen ehemaliger Rotenburger Heimkinder nachgehen, die von zum Teil massiven Gewalterfahrungen berichten. Das solle durch Aktenstudium und Interviews geschehen, erläuterte der Bielefelder Historiker Karsten Wilke. Die Studie soll dann im Sommer 2017 vorliegen.

      Die historische Aufarbeitung liege der Einrichtung sehr am Herzen, sagte die Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke, Jutta Wendland-Park. Nur so könnten Gegenwart und Zukunft gut gestaltet werden. "Wir bitten alle um Entschuldigung, die Leid und Unrecht erfahren haben", fügte die leitende Theologin hinzu. "Wir sind beschämt und werden alles tun, um das aufzuarbeiten." Das müsse jetzt geschehen, um die Zeitzeugen zu hören. Es gebe jetzt Fragen, "die wir vor ein paar Jahren noch nicht hatten".

      (epd) [ Der Evangelische Pressedienst (epd) ist eine unabhängig arbeitende Nachrichtenagentur, die von der evangelischen Kirche getragen wird. - MM ]

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      Siehe diesbezüglich auch den aufschlussreichen Artikel in der ROTENBURGER RUNDSCHAU vom 26. September 2015, betitelt »Illegale Medikamententests?« @ http://www.rotenburger-rundschau.de/lokales/rotenburg-wuemme/rotenburger-werke-arbeiten-duestere-seite-der-geschichte-auf-von-dennis-bartz-113730.html
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Die Bundesrepublik Deutschland hat ein großes Problem – und wie es dieses Problem lößt:

      QUELLE: DIE TAGESZEITUNG junge Welt @ jungewelt.de/artikel/331509.bund-stellt-sich-dumm.html :

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      Aus: Ausgabe vom 27.04.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

      Bund stellt sich dumm

      Arzneimittelversuche an Heimkindern in der BRD: Regierung weiß nichts darüber und sieht keine Verpflichtung, zur Aufklärung beizutragen

      Von Jana Frielinghaus

      [ FOTO: Der Essener Ralf Aust, hier 1965 als Kind im Franz-Sales-Haus, berichtete Ende 2016 gegenüber dem Stern, dass alle Kinder dort täglich Tabletten einnehmen mussten. --- Foto: Aust/dpa ]

      Hintergrund: Konzerne profitieren

      Die Pharmakologin Sylvia Wagner befasst sich seit drei Jahren im Rahmen ihrer Dissertation mit Arzneimittelstudien an Heimkindern in der BRD der 50er bis 70er Jahre. Die aufwendige Forschungsarbeit finanziert sie allein. Im September 2016 veröffentlichte sie erste Ergebnisse in der Publikation Sozial.Geschichte Online (Heft 19/2016) der Universität Duisburg-Essen. Wagner durchforstete für ihre Studie viele Jahrgänge von Fachjournalen. Sie war überrascht, mit welcher Offenheit die Verfasser von Forschungsberichten über ihre Versuchsanordnungen mit Heimkindern berichteten. An keiner Stelle fand sie Angaben dazu, ob die Einwilligung von Angehörigen eingeholt worden war. Ebensowenig fand sie kritische Reaktionen auf die Veröffentlichungen.

      Die meisten der von Wagner ermittelten Testreihen fanden in Säuglingsheimen statt, in 33 von 50 Berichten ging es um die Erprobung von Impfstoffen, in den anderen überwiegend um Psychopharmaka. Im Forschungsbericht über einen Test des Neuroleptikums Decentan an Kindern im Essener Franz-Sales-Haus ist von »plötzlichen Schreikrämpfen«, »Bewegungsarmut« und »psychisch starker Veränderung« die Rede.

      An den Erkenntnissen aus den Versuchen waren vor allem die Pharmafirmen interessiert: Kooperationspartner der Kliniken in Schleswig waren laut NDR beispielsweise die Unternehmen Bayer, Merck, Janssen und UCB. Bayer teilte dem Sender auf Anfrage mit, man sehe keine Veranlassung für Wiedergutmachungsleistungen, da nicht rechtswidrig gehandelt worden sei. Das stimmt insofern, als es vor 1978 keine in einem Bundesgesetz formulierten Vorschriften für Unternehmen hinsichtlich der Erprobung und Zulassung von Arzneimitteln gab. Man habe für die Zeit vor 1978 zudem »keine Dokumente gefunden, die auf eine Verbindung unseres Unternehmens mit der Durchführung von Prüfungen mit diesen Präparaten in Kinderheimen« hinweisen, teilte der Konzern mit.

      Nach Ansicht von Christian Schrapper, Pädagogikprofessor an der Universität Koblenz-Landau, zeigt sich im Umgang mit den Heimkindern der in der BRD noch lange nachwirkende Geist der Nazizeit. In den Einrichtungen der Jugendfürsorge sei er bis in die 60er Jahre von Vorstellungen über die Minderwertigkeit zum Beispiel von Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen geprägt gewesen. Daraus ergebe sich das Verständnis von Heimkindern als »Menschenmaterial, das für medizinische Versuche genutzt werden kann«, zitierte ihn die Ärztezeitung nach Wagners Veröffentlichung im November 2016. (jf)

      kurzlink.de/studie_wagner @ duepublico.uni-duisburg-essen.…42079/04_Wagner_Heime.pdf

      [ u.a. ] kurzlink.de/Schleswig @ ndr.de/nachrichten/schleswig-h…Landes,heimkinder194.html

      [ Siehe diesbezüglich desweiteren auch: »Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND« @ ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?f=30&t=151 ]

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      Seit etwa zwölf Jahren sind die Grausamkeiten, die Hunderttausende Kinder in Einrichtungen der Jugendfürsorge der alten Bundesrepublik erlitten haben, ein öffentliches Thema. Anfang 2009 wurde auf Druck ehemaliger Insassen von der damaligen Bundesregierung von CDU, CSU und SPD der »Runde Tisch Heimerziehung« (RTH) eingerichtet. Ende 2010 veröffentlichte das Gremium einen Abschlussbericht, zudem wurde der Hilfsfonds »Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1975« eingerichtet. Zahlungen daraus erhielten jedoch nur Menschen, die Folgeschäden und materielle Bedürftigkeit nachweisen konnten. Vom RTH angehörte ehemalige Heimkinder berichteten über fortgesetzte psychische und körperliche Misshandlungen, vorenthaltene Löhne – und darüber, dass sie dauerhaft zur Einnahme von Medikamenten gezwungen worden sind. Vielfach handelte es sich dabei um Psychopharmaka zur Ruhigstellung. Oft wussten die Betroffenen gar nicht, was ihnen da teilweise gewaltsam verabreicht worden war. Gerade das letztgenannte Thema wurde vom RTH jedoch nur am Rande abgehandelt. In seinem Abschlussbericht heißt es dazu, wenn es zu »generellen und kollektiven Behandlungen bzw. Sedierungen gekommen« sei, die »weniger den Kindern und Jugendlichen als der Disziplin im Heimalltag oder gar der Erforschung von Medikamenten zuträglich waren, ist dies als Missbrauch zu beurteilen und erfüllt ggf. den Tatbestand der (schweren) Körperverletzung – auch nach damaligen Maßstäben«. Ob und in welchem Umfang so etwas vorgekommen sei, könne »so viele Jahre später schwer beurteilt werden«.

      Kann es doch. Gezeigt hat das zunächst die Pharmakologin Sylvia Wagner mit ihrem Forschungsprojekt zu Arzneimitteltests an Heimkindern in der BRD (siehe Spalte). Sie hat in 50 Fällen belegen können, dass es in staatlichen und kirchlichen Fürsorgeeinrichtungen Versuchsreihen an Minderjährigen gab, die zudem oft unter der Regie von Ärzten mit Nazivergangenheit stattfanden. In der Folge recherchierten Medien weiter, mehrere Landesparlamente und -regierungen befassten sich mit dem Thema.

      Die Bundesregierung allerdings sieht sich nicht in der Pflicht, zur Aufklärung beizutragen, Behörden und Unternehmen zur Öffnung ihrer Archive zu veranlassen oder über einen weiteren Entschädigungsfonds nachzudenken. Das macht ihre Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vom 18. April deutlich, die jW vorliegt. In ihrer Vorbemerkung verweist Sabine Weiss (CDU), Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, auf die Arbeit des RTH und die Einrichtung des erwähnten Fonds sowie die Einrichtung der Stiftung »Anerkennung und Hilfe« von Bund, Ländern und Kirchen für ehemalige Insassen von Psychiatrien und Behindertenheimen Ende 2016. Damit sieht das Ministerium die Arbeit der Bundesregierung als erledigt an. Zudem wird darauf verwiesen, dass aufgrund des bis 1978 kaum gesetzlich regulierten Arzneimittelmarktes strafrechtliche Konsequenzen für damalige Akteure auszuschließen seien. Weiter schreibt Weiss u. a.: »Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse zu ›Arzneimitteltests‹ an Heimkindern vor.«

      Sylvia Gabelmann, Sprecherin der Linksfraktion für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, die die Fragen zusammen mit Kollegen eingereicht hatte, ist empört: »Die Bundesregierung stellt sich hier dümmer, als sie ist«, sagte sie am Donnerstag gegenüber jW. Schon mittels einer kleinen Internetrecherche könne jeder Laie innerhalb kürzester Frist umfangreiche Informationen darüber erhalten, dass es Medikamentenstudien an Kindern in den 50er und 60er Jahren mindestens in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen gegeben hat.

      Pharmakologin Wagner sieht sowohl die Länder als auch den Bund in der Pflicht. Auf allen Ebenen müssten diesbezüglich umfangreiche Forschungsaufträge vergeben werden, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit jW und erinnerte daran, dass an Tests von Impfstoffen auch Bundesbehörden beteiligt waren. Die »Stiftung Anerkennung und Hilfe« sei zudem nur für Menschen geschaffen worden, die in Behindertenheimen und Psychiatrien gelitten haben. Nachträglich sei gesagt worden, dass auch Opfer von Arzneimitteltests dort Anträge auf Unterstützung stellen könnten. Doch solche Versuche habe es auch in »normalen« Kinderheimen gegeben. Die Bundesregierung teilte der Linksfraktion mit, sie beabsichtige nicht, den Auftrag der Stiftung zu erweitern.

      Von vielen Untersuchungsreihen dürften Landesbehörden mindestens Kenntnis gehabt haben. So fand Wagner in Fachzeitschriften zwei Untersuchungsberichte aus der Kinderpsychiatrie des Landesklinikums in Schleswig-Hesterberg. Ein NDR-Team stieß bei Recherchen auf sechs weitere Aufsätze über Tests in derselben Einrichtung – und auf mehr als 30 Schilderungen von Versuchen in der Erwachsenenpsychiatrie in Schleswig-Stadtfeld. Nach Berechnung der Journalisten wurden an den beiden Landeskliniken von 1953 bis 1978 Medikamente an rund 3.500 Probanden getestet, darunter etwa 1.000 Kinder. Der neue Gesundheitsminister von Schleswig-Holstein, Heinrich Garg (FDP), kündigte im Oktober an, er wolle die beteiligten Pharmafirmen »ansprechen«. Ob das Land mutmaßlich Betroffenen Entschädigungen zukommen lässt, macht Garg vom Ergebnis einer Studie abhängig, für die sein Haus 100.000 Euro bereitstellen will.

      Für Niedersachsen hat Wagner u. a. nachgewiesen, dass an der früher landeseigenen psychiatrischen Klinik in Wunstorf bei Hannover noch in den 70er Jahren an mehreren hundert Kindern Medikamente erprobt wurden.

      Mehr aus: Schwerpunkt

      Zweierlei Maß bei Medikamententests @ jungewelt.de/loginFailed.php?r…ei-medikamententests.html

      Nur für angebliches DDR-Unrecht fühlt sich der Bund in jedem Fall zuständig.

      Jana Frielinghaus
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      FR - Frankfurter Rundschau, FREITAG, 27. APRIL 2018

      QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/heimkinder-in-hessen-im-heim-war-das-leben-zu-ende-a-1494914

      Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen und insbesondere in Bezug auf Heime auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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      [ Freitag, 27. April 2018, um ca 16:00 Uhr ]

      Heimkinder in Hessen [ Zum Profil des Autors @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

      „Im Heim war das Leben zu Ende“

      Die Evangelische Kirche legt einen Bericht über das Leid der Heimkinder in Hessen und Nassau vor. Danach hat es keine medizinischen Versuche gegeben. Auch so sind die Ergebnisse erschreckend genug.

      Von Peter Hanack

      [ FOTO: LUFTBILD: Von oben eine Idylle mit viel Grün, in der Geschichte aber auch ein Platz mit schrecklichen Seiten: der Hephata-Komplex in Schwalmstadt-Treysa. Foto: Hephata-Diakonie ]

      Schreckliche medizinische Versuche an Heimkindern wie in der Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa hat es in den Heimen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wahrscheinlich nicht gegeben.

      Die Historikerin Anette Neff hat im Auftrag der EKHN die Geschichte der Heime und Heimkinder von 1945 bis 1975 zu ergründen versucht. „Ich bin bei meinen Recherchen auf keinen Fall gestoßen, bei dem es im Bereich der EKHN den massenhaften Einsatz von Medikamenten oder missbräuchliche Medikamententests an Kindern oder Jugendlichen gegeben hätte“, sagte Neff am Donnerstag [ 26.04.2018 ] in Frankfurt. Ausschließen aber könne sie solchen Missbrauch nicht, wie ihn die Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer bei Recherchen in Hephata entdeckt hatte.

      Neff hat der noch bis Samstag tagenden Synode der evangelischen Kirche den Projektbericht zur Situation der Heimkinder vorgestellt. Die Ergebnisse sind auch ohne Erkenntnisse über medizinische Versuche erschreckend genug.

      Mindestens 43 Heime in evangelischer Trägerschaft hat Neff gefunden. Ob es den Kindern und Jugendlichen dort gut oder schlecht ging, das sei dem Zufall überlassen gewesen, sagt sie. „Über Wohl und Wehe entschied der Geist, der in einem Haus herrschte.“ Wie die Insassen behandelt wurden, hin häufig von einzelnen Mitarbeitern ab. Diese waren, so Neff, in aller Regel nicht für einen pädagogisch sinnvollen Umgang mit Kinder und Jugendlichen qualifiziert, die dort oft Jahre verbringen mussten.

      Die Gründe, ins Heim zu kommen, waren vielfältig und oft lapidar. Schwierige familiäre Verhältnisse, Schwierigkeiten in er Schule, ein kleiner Diebstahl genügten zur Einweisung durch Richter oder Jugendämter. Die Folgen für die Betroffenen waren gravierend. Körperliche Misshandlungen bis hin zur Vergewaltigung, Schweigegebote, Isolierung, Demütigungen etwa durch das Verbot, die Toilette aufzusuchen – all das musste Heimkinder in den Nachkriegsjahren durchmachen.

      „Ich kam in ein Heim und mein Leben war zu Ende“, zitiert Neff eine Betroffene. „Das Gefühl, 24 Stunden am Tag eingeschlossen zu sein, das ist wie Zuchthaus.“ Und in der Tat sei es zumeist darum gegangen, Kinder und Jugendliche zu disziplinieren, eine strenge Ordnung im Heim aufrecht zu erhalten. Hilfen für den Einzelnen habe es nur selten gegeben.

      Die EKHN bemüht sich seit Jahren um Aufklärung über das Schicksal der Heimkinder. Mit der Vorstellung des Films ist die vor sechs Jahren begonnene Aufarbeitung nun abgeschlossen.

      Aus dem Projekt sind neben einem Dokumentarfilm pädagogisches Material und eine Ausstellung hervorgegangen. Ehemalige Heimkinder, Mitarbeiter und Ärzte berichten dort von ihren Erlebnissen und Beobachtungen. Kurze Ausschnitte des Films der Filmemacherin Toepfer bekamen die Mitglieder der Synode am Donnerstag [ 26.04.2018 ] zu sehen.

      Der gesamte Film soll im Juni [ 2018 ] in einem geschlossenen Rahmen unter Anwesenheit von Betroffenen gezeigt werden, bevor ihn am 25. Juni [ 2018 ] eine breitere Öffentlichkeit vorgestellt bekommt. Film und Ausstellung sollen dann an Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ausgeliehen oder in Bildungseinrichtungen gezeigt werden.

      Mehr zum Thema

      ● Fotostrecke: Heilanstalt Mammolshöhe [ Siehe @ http://www.fr.de/fotostrecken/cme27003,1061373 ]
      ● Euthanasie: Furchtbares Kapitel [ Siehe @ http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/heilanstalt-mammolshain-furchtbares-kapitel-a-1452281 ]
      ● Heimkinder: Kritischer Hirneingriff [ Siehe @ http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/hessen-aerztekammer-sieht-hirneingriff-kritisch-a-1449021 ]
      ● Interview: „Jeder wurde mit dem Zeug abgefüllt“ [ Siehe @ http://www.fr.de/rhein-main/hephata-in-treysa-jeder-wurde-mit-diesem-zeug-abgefuellt-a-1449687 ]

      Peter Hanack
      Redakteur, Frankfurt & Rhein-Main
      Zum Profil des Autors [ @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

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      Zur Sache

      Aufarbeitung

      Im Dezember 2006 gab es im Deutschen Bundestag eine Anhörung von ehemaligen Heimkindern. Sie berichteten von den schlimmen Verhältnissen in den Heimen der Nachkriegszeit, die von Kirche, Staat oder freien Trägern unterhalten wurden.

      2009 lud der Hessische Landtag 50 Heimkinder zur Anhörung ein. Es folgte eine Entschuldigung des Landtags für das Leid. 2013 brachte die EKHN ihre Aufarbeitung auf den Weg. Pgh

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      QUELLE: Ärzte Zeitung @ https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/medizinethik/article/962895/medikamentenversuche-informationen-tests-heimkindern.html

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      Ärzte Zeitung online, 02.05.2018

      Medikamentenversuche

      Wenig Informationen über Tests an Heimkindern

      BERLIN. Die Gesundheitsbehörden können offenbar nur wenig zur Aufklärung von[/color] Medikamentenversuchen an Heimkindern in den Jahren von 1949 und 1975[/u][/url] beitragen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Links-Fraktion im Bundestag hervor.

      Demnach verfügen sie "über relativ wenige Informationen" dazu. Die Linke hat unter anderem wissen wollen, welche Angaben das Bundesgesundheitsamt (BGA) oder Nachfolgebehörden zu Arzneimittelstudien innerhalb dieses Zeitraums in Heimen machen könnten.

      Die Bundesregierung verweist darauf, dass das erst 1961 eingeführte Arzneimittelgesetz wie auch andere frühere gesetzliche Vorschriften weder Regelungen für die Zulassung von Arzneimitteln noch für klinische Prüfungen vorgesehen hätten.

      Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie dem Paul-Ehrlich-Institut seien keine Unterlagen zu solchen Studien zu Zeiten des BGA (1952-1994) bekannt. Das gelte auch für das Robert Koch-Institut.

      Es sei erschreckend, dass sich die Bundesregierung komplett unwillig zeige, "an der Aufdeckung der Verstrickung von Bundesbehörden in die grauenvollen Arzneimitteltests an Heimkindern in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mitzuwirken", kommentierte Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik der Links-Fraktion.

      Wenn man den Antworten der Bundesregierung glaube, hätten die Bundesbehörden offensichtlich alle Unterlagen zu etwaigen Verwicklungen des damaligen Bundesgesundheitsamtes mit Arzneimittelstudien an Heimkindern verloren, versteckt oder vernichtet, so Gabelmann.

      Im Abschlussbericht des von der Bundesregierung einberufenen Runden Tischs "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" hieß es, sollte es in Heimen zu kollektiven Behandlungen oder Sedierungen gekommen sein, die der Erforschung von Medikamenten gedient hätten, sei dies als Missbrauch zu beurteilen und erfülle den Tatbestand der schweren Körperverletzung. (bar)

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      DEUTSCHLANDFUNK

      QUELLE: http://www.deutschlandfunk.de/medikamententests-gottlose-pillen.886.de.html?dram:article_id=415680 :

      [ präsentiert hier als: ERSTE TEIL VON ZWEI TEILEN ]

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      Medikamententests

      01.05.2018

      Gottlose Pillen

      Medikamente wurden in den 50er- und 60er-Jahren an Menschen mit Behinderung getestet, auch in kirchlichen Einrichtungen. Wie war es möglich angesichts des christlichen Leitbilds? Die Rotenburger Werke und die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel lassen nun dieses Kapitel ihrer Geschichte untersuchen.

      Von Charly Kowalczyk

      [ FOTO: Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld stehen wegen heimlicher Medikamententests an Kindern in den 1950er-Jahren in der Kritik (dpa/ picture-alliance/ Wolfgang Moucha) ]

      "Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Er hat eine unverlierbare Würde und einen unschätzbaren Wert. (Leitbild, Rotenburger Werke)

      "Und natürlich war ich auch erschrocken, als ich feststellen musste, dass vieles dafür spricht, dass es eben auch Medikamentenversuche in den Rotenburger Werken gegeben hat und dass Psychopharmaka zum Teil in großen Mengen verabreicht wurden und dass wir aus jetziger Sicht auch nicht immer Einwilligungserklärungen vorliegen hatten", sagt Jutta Wendland-Park.

      "Ich glaube, das nützt auch keiner Einrichtung, wenn sie versucht, das zu vertuschen, oder versucht, das auszusitzen. Das hilft auf Dauer nicht. Man muss dazu stehen, dass auch Menschen da waren, die Fehler gemacht haben, dass auch Menschen da waren, die ihre Macht missbraucht haben", sagt Ulrich Pohl.

      2014 begann die Pharmazeutin Sylvia Wagner mit ihren Forschungen über Medikamentenversuche an Heimkindern. Sie erzählt:

      "Mir haben viele ehemalige Heimkinder, die ich so im privaten Umfeld eben kenne, berichtet, dass sie in den Einrichtungen Medikamente bekommen haben. Deswegen hatte ich ursprünglich geplant, zu dem Thema allgemein der medikamentösen Sedierung, also Ruhigstellung durch Medikamente in den Heimen zu recherchieren und dazu meine Doktorarbeit zu machen. Im Rahmen dieser Recherchen bin ich eben darauf gestoßen, dass da tatsächlich auch Versuche gemacht worden sind. Das war, ja, fast zufällig."

      Gut 60 Hinweise auf Arzneimitteltests an Heimkindern oder an Menschen mit Behinderung fand die Apothekerin in medizinischen Fachzeitschriften sowie in Archiven der Pharmafirma Merck und den Behringwerken. Auch eine Reihe anderer Pharmaunternehmen haben an besonders verletzlichen Gruppen Neuroleptika, Psychopharmaka, Impfstoffe oder triebhemmende Arzneimittel getestet. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen sind ungewiss.


      Medikamentenversuche in den 50er- und 60er-Jahren

      "Mein Name ist Jutta Wendland-Park. Ich bin Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke seit 2006." [ vormalig „Rotenburger Anstalten“ genannt ]

      In dem kleinen Städtchen Rotenburg zwischen Hamburg und Bremen sollen in den 50er- und 60er-Jahren Psychopharmaka an Menschen mit Behinderung getestet worden sein. Heute leben in der 1880 gegründeten Einrichtung über 1100 Menschen, die auf Betreuung angewiesen sind. Das christliche Menschenbild spielt eine große Rolle im Selbstbild des Unternehmens.

      Jutta Wendland-Park sagt:"Für mich persönlich schon, weil ich als Pastorin, die ich bin, bewusst hierher gekommen bin, weil es eine diakonische Einrichtung ist und für mich Verkündigung von Wort und Tat eng zusammengehören. Also es gibt eine Loyalitätsrichtlinie und die besagt natürlich, dass Menschen, die hier arbeiten, einer Kirche angehören sollten. Wir sehen natürlich, dass im Zuge der säkularen Gesellschaft auch dies immer herausfordernder wird und es ist ja auch jetzt schon zu einer, ich sag mal, zu einer Öffnung gekommen. Aber für alle Führenden und Leitenden ist das ganz wichtig, und die sind Mitglied der Kirche."

      Ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner der Rotenburger Werke berichten, Beschäftigte der diakonischen Einrichtung in den 50er- und 60er-Jahren hätten gegen sie Gewalt angewendet. Auch der Vorwurf sexueller Übergriffe steht im Raum. Nun ist auch noch der Verdacht aufgekommen, dass im Unternehmen Medikamentenversuche an Menschen mit Behinderung stattgefunden haben.

      Jutta Wendland-Park dazu:"Und dieses hat uns dann veranlasst, zu sagen: Wir sollten dieses Thema Gewalt – und als ein spezielles Thema eben auch die Vergabe von Medikamenten – noch einmal von einem neutralen Historiker-Team erforschen lassen und das haben wir gemacht."

      "Als diakonisches Unternehmen ist der Mensch für uns Maßstab unseres Handelns." (Leitbild, Rotenburger Werke)

      "Ich bin davon überzeugt, dass es zu allen Zeiten viele Menschen gegeben hat, die wirklich alles Bestmögliche getan haben, die sehr engagiert waren und die das auch mit einem christlichen Hintergrund getan haben", sagt Wendland-Park. "Nichtsdestotrotz, wenn wir auf die Geschichte gucken, müssen wir auch feststellen, dass tatsächlich Anspruch und Wirklichkeit auch auseinander geklafft haben an vielen Punkten und wir dem nicht gerecht geworden sind, was wir uns eigentlich auch wünschen für die Menschen, die hier leben. Das ist schmerzlich und es bedarf auch der Fragen, woran liegt das, dass manchmal die diakonische Ausrichtung so was nicht verhindert hat."


      Behinderteneinrichtungen als Verwahranstalten

      Die Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke will dem Abschlussbericht der Historikerkommission in diesem Frühjahr nicht vorgreifen. Sie möchte auch nichts Falsches sagen. Also ringt Jutta Wendland-Park nach Worten, sucht nach Erklärungen, warum damals dieser Missbrauch nicht verhindert werden konnte.

      "Es gab keine qualifizierten pädagogischen Mitarbeiter, zumindest nicht in den 50er-, 60er-Jahren, das kam später erst", so die Vorstandschefin. "Es gab eigentlich eine Annäherung an das, was wir so totale Institution nennen: Also es gab schon eine sehr ausgeprägte Machthierarchie und demgegenüber stand aber kein unabhängiges Kontrollsystem, was sehr wichtig ist. Und man muss auch, denke ich, sagen, dass die Stellung von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft noch eine andere war. Sie wurden leider mit ihren Bedarfen, ihren Bedürfnissen, nicht so wahrgenommen und ernst genommen, wie wir es Gottseidank heute tun."

      In den 50er-, 60er-Jahren waren Behinderteneinrichtungen in der alten Bundesrepublik und der ehemaligen DDR meist überbelegte Verwahranstalten. Keine sichere Heimstatt für Menschen mit Behinderung: der Ton der Pflegekräfte rau, der Umgang hart, da blieb wenig Raum für Nächstenliebe. Die Zöglinge untergebracht in Mehrbettzimmern, ohne Recht auf Intimität und schon gar nicht auf Sexualität. Ausgeliefert den Ärzten und Heimleitungen. Heute sei vieles anders, erzählt Jutta Wendland-Park. Fast alle hätten Einzelzimmer, Ärzte seien nicht mehr allmächtig, und es gebe interdisziplinäre Teams, die sich um die Menschen kümmern, die auf Betreuung angewiesen sind.

      "Wir sind der Überzeugung, dass man aus dem Vergangenen lernen kann und lernen muss. Wir können nicht ungeschehen machen, was an Unrecht passiert ist, aber was wir tun können ist Verantwortung zu übernehmen, indem wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und uns die Gegenwart angucken und Systeme schaffen, die solches in Zukunft verhindern."

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      [ fortgesetzt im nächstfolgenden Beitrag ]
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      DEUTSCHLANDFUNK

      QUELLE: http://www.deutschlandfunk.de/medikamententests-gottlose-pillen.886.de.html?dram:article_id=415680 :

      [ präsentiert hier als: ZWEITE TEIL VON ZWEI TEILEN ]

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      Medikamententests

      01.05.2018

      Gottlose Pillen

      [ fortgesetzt vom unmittelbar vorhergehenden Beitrag ]

      "Ich glaube nicht, dass das christliche Weltbild das verhindern kann"

      Luminal, G 34276, Chlorprothixen, Ketotofranil, Haloperidol, Dipiperon, G 35259, Tegretal, H 502, Tofranil.

      "Jeder hat vor Gott einzigartigen Wert; darum schützen wir das Lebensrecht der Schwächeren vor den Stärkeren." (Grundsätze: v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel)

      "Bethel ist eine Einrichtung, die 1867 gegründet wurde, hat begonnen mit der Behandlung von epilepsiekranken, jungen Männern, das waren damals drei oder vier, heute begleiten wir etwa 230.000 Patienten im Jahr", sagt Ulrich Pohl.

      Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld [ vormalig die „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ genannt (zu welchen auch „Anstalt Freistatt im Wietingsmoorin Niedersachsen gehört) ] sind das größte Sozialunternehmen in Europa. Vorstandsvorsitzender ist seit 2008 Pastor Pohl.

      Er sagt:"Dabei steht dann immer in der Mitte der behinderte Mensch, aber es steht auch im Mittelpunkt unser christliches Miteinander."

      In der Epilepsieklinik Mara, die zu Bethel gehört, soll im Januar 1961 das Arzneimittel Encephabol eingesetzt worden sein, das sich auf das zentrale Nervensystem auswirkt. Offiziell brachte die Darmstädter Firma Merck das Mittel erst 1963 auf den Markt. Ein Oberarzt des evangelischen Krankenhauses soll damals 17.000 Dragees zu Testzwecken erhalten haben.

      Ulrich Pohl dazu: "Ich glaube nicht, dass das christliche Weltbild das wirklich verhindern kann. Ich glaube, da braucht es genauso Kontrolle wie in allen anderen Einrichtungen auch."

      Der Vorstand reagierte sofort, als die Vorwürfe bekannt wurden. Die diakonische Einrichtung in Bethel musste sich auch schon in der Vergangenheit mit Missbrauchsfällen auseinandersetzen. Nun wurde eine unabhängige Kommission von Expertinnen und Experten eingesetzt. Auch wenn sich mancher Vorwurf im Nachhinein vielleicht nicht bestätigen lasse, müsse man aufklären, meint Ulrich Pohl.

      "Wir haben dabei festgestellt, dass wir an vielen Stellen der damaligen Rechtslage entsprechend nicht mit Angehörigen oder Betreuern oder so vorher gesprochen haben, sondern Medikamente eingesetzt worden sind. Wir haben Historiker daran gesetzt, aber auch Mediziner, die Akten durchsehen und die dann nach der Durchsicht der Akten dann uns allen einen Bericht anfertigen, den wir dann auswerten müssen. Nach dem jetzigen Eindruck sieht es so aus, als wenn wir davon nur sehr wenig betroffen wären."


      "Bis 1978 war dafür keine Genehmigung notwendig"

      Angestoßen durch Arzneimittelskandale wie den um das Beruhigungsmittel Contergan, das schwangeren Frauen empfohlen wurde und zu Tausenden missgebildeten Kindern führte, wurden die Regeln bei medizinischen Tests verschärft - 1978 trat ein neues Arzneimittelgesetz in Kraft. Zuvor konnten Pharmaindustrie und Ärzte fast ohne Kontrolle testen, an wem und wann immer sie wollten. So sehen es einige Wissenschaftler. Andere gehen davon aus, dass man auch damals schon bei klinischen Prüfungen das Einverständnis der Testpersonen oder ihrer gesetzlichen Betreuer einholen musste.

      "Richtig ist: Bis 1978 war dafür keine Genehmigung notwendig. Insofern sehe ich auch nicht, dass ein Arzt sich jetzt irgendwo juristisch falsch verhalten hätte", sagt Pohl.

      Gesetzlich war es vielleicht möglich – aber müssten kirchliche Einrichtungen, in denen die christlichen Werte hochgehalten werden, nicht besonders verantwortungsvoll agieren?

      "Natürlich spüre ich das Dilemma", gibt Pohl zu. "Und das ist natürlich bei jedem Patienten auch die Frage: Welche Folgeschäden hat er erlitten, wenn er welches Medikament genommen hat. Jedenfalls dann, wenn der Patient oder sein Betreuer oder sein näherer Verwandter nicht informiert worden ist, halte ich das ethisch für nicht zu rechtfertigen, selbst wenn es juristisch noch im grünen Bereich ist. Das ist meine Position an dieser Stelle."

      "Wir rechnen mit unserer Schuldverflochtenheit und unserem Versagen; darum sind wir bereit mit Konflikten zu leben, Fehler einzugestehen, Gewalt zu vermeiden und Schuld zu vergeben." (Grundsätze: v. Bodelschwinghsche Stiftungen, Bethel)

      "Ich glaube nicht, dass wir Christen perfekt sein müssen", sagt Pohl. "Ich glaube, wir sind das nie gewesen und wir feiern ja auch das Reformationsjubiläum und Luther, der selbst Fehler genug gemacht hat, war aber ein Mensch, der uns darauf sehr hingewiesen hat, dass wir sündige Menschen sind, Fehler machen, vor Gott und vor unseren Mitmenschen. Das ist auch der einzige Weg, um auch auf Dauer in unserer offenen und freien Gesellschaft zu bestehen. Wenn wir behaupten würden, wir sind fehlerfrei, dann ist jede Aufdeckung eines Fehlers ein Skandal, das halte ich für den falschen Weg."

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Die Tablettenkinder

      Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden

      Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Bayern.

      QUELLE: BR.de - Bayerischer Rundfunk @ https://www.br.de/nachrichten/wie-heimkinder-zu-versuchsobjekten-wurden-100.html :

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      Die Tablettenkinder

      Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden

      Pharmafirmen haben an Heimkindern Medikamente getestet - ohne Einverständnis, bis in die 1970er Jahre hinein. Die Aufarbeitung dieses Unrechts geht in Bayern schleppend voran. Offiziell ist dem Freistaat nur ein einziger Fall bekannt. Nachforschungen von BR Recherche zeigen: Es gibt Hinweise auf mehr Testreihen.

      Von: Christiane Hawranek, Pia Dangelmayer

      Stand: 09.05.2018 | Bildnachweis


      BR Recherche: Heimkinder für Medikamententests missbraucht

      Im mittelfränkischen Hilpoltstein wurde ein zehnjähriges Heimkind im Jahr 1975 zum medizinischen Versuchsobjekt - ohne sein Einverständnis. Das geht aus Dokumenten hervor, die BR Recherche vorliegen. Demnach musste der Junge damals ein Präparat schlucken, das noch nicht auf dem Markt war. Im Rahmen einer Arzneimittelprüfung. Heute ist Martin Hackl Mitte 50, schwer lungenkrank und kann sich kaum bewegen. Erst vor anderthalb Jahren ist er durch Zufall auf die Dokumente in seiner Heimakte gestoßen. Dem BR sagte er, er fühle sich betrogen und wolle mehr über das Ausmaß des Tests erfahren.

      Nebenwirkungen und Todesfälle

      Als Kind galt Martin Hackl als "umtriebig" und "schwachsinnig". Damals konnte er laufen und sprechen. Aus den Unterlagen geht auch hervor: Der sechswöchige Test verändert das Wesen des Jungen, irgendwann wehrt er sich dagegen, die Tabletten zu nehmen. Eine Einverständniserklärung liegt seiner Akte nicht bei. Ein Auszug aus den Aufzeichnungen des Heimarztes vom Februar 1975:

      "Von Martin wird berichtet, er bekomme laufend Wutanfälle, einen nach dem anderen, er lasse sich nicht anfassen, schreie und höre gar nicht mehr auf damit. Alles was man bisher mit ihm habe machen können sei unmöglich."
      Heimakte von Martin Hackl

      Das Präparat wurde ein Jahr nach dem Test, ab 1976, als Antidepressivum unter dem Namen Alival verkauft. Zehn Jahre später musste es die Pharmafirma Hoechst vom Markt nehmen - wegen Todesfällen und gravierender Nebenwirkungen an Leber, Niere und Lunge. Ob auch Martin Hackl Spätfolgen erlitten hat? Nachweisen lässt sich das jetzt, 40 Jahre nach dem Test, nicht mehr. Der Hersteller gehört heute zu Sanofi. Auf Nachfrage von BR Recherche schreibt die Pressestelle, man habe "keine Hinweise" auf Tests mit Heimkindern.

      Heimleitung entschuldigt sich nach BR-Recherche

      Und das Heim? Die Rummelsberger Diakonie hat sich bei Martin Hackl für das Experiment inzwischen entschuldigt. Ein Wissenschaftler soll nun im Auftrag des Heims herausfinden, wie viele Kinder in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu Versuchsobjekten wurden.

      "Hauptsache, es kommt raus, dass wir wirklich willig sind, das aufzuarbeiten und dass wir uns eigentlich auch schämen für das, was da passiert ist."

      Georg Borngässer, Pressesprecher der Rummelsberger Diakonie

      Bundesweit 50 Testreihen

      Deutschlandweit haben Wissenschaftler etwa 50 Testreihen an Heimkindern in den 1950er bis 1970er Jahren nachgewiesen – darunter auch Tests mit Impfstoffen und mit Psychopharmaka in Bayern [ Siehe @ https://www.br.de/nachrichten/verdraengtes-leid-medikamententests-an-heimkindern-100.html ]. Auch in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren haben Ärzte das Präparat "T57" der Pharma-Firma Merck an Kindern getestet. Das belegen Unterlagen, die BR Recherche im Merck-Archiv einsehen konnte. Das Prüfpräparat wurde im Herbst 1957 an den Leiter der Kinderabteilung geschickt, mit dem Ziel, mehr über die Dosierung bei Kindern herauszufinden. Für einen Bericht über mögliche positive Ergebnisse würde sich Merck "selbstverständlich gerne erkenntlich zeigen".

      Tests auch in Kaufbeuren

      Auf die BR-Recherchen hin hat das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren den Düsseldorfer Medizinhistoriker Professor Heiner Fangerau damit beauftragt, den Test im Jahr 1957 zu untersuchen. Er arbeitet auch an einer bundesweiten Studie zum Thema und sagt, die Tests in den Einrichtungen hätten schon damals gegen medizinethische Standards verstoßen. Denn bisher konnte er keinerlei Einverständniserklärung zu den Versuchen finden.

      "Mit diesem Blick von heute auf diese Kinder und diese Zeit finde ich es nicht in Ordnung, weil wir zum Beispiel im Moment noch nicht wirklich finden, ob die Kinder und ihre Eltern aufgeklärt worden sind über mögliche Nebenwirkungen."

      Heiner Fangerau, Medizinhistoriker

      Offiziell nur ein Fall in Bayern

      Das Bayerische Sozialministerium schreibt auf BR-Nachfrage, es gebe bayernweit nur einen einzigen belegten Fall eines Medikamententests im Heim, nämlich den von Martin Hackl. Und weiter: Medizinische Versuche ohne Einwilligung seien heute und auch damals Unrecht. Welche Dimension dieses Unrecht hatte, ist noch nicht klar. Bei dessen Aufarbeitung steht Bayern noch ganz am Anfang.

      Die Stiftung Anerkennung und Hilfe von Bund, Ländern und Kirchen zahlt noch bis Ende 2019 Geld aus einem Fonds an ehemalige Heimkinder aus Psychiatrien und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Voraussetzung ist, dass sie zwischen 1949 und 1975 dort Leid und Unrecht erlebt haben. Informationen gibt es hier:
      http://www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de


      Aufgedeckt - der investigative Podcast: Gewalt, Missbrauch, Zwang: Viele Heimkinder mussten das in den Nachkriegsjahrzehnten erleiden. Allmählich kommt ans Licht, dass Heimkinder bis in die 70er-Jahre zudem Opfer von Medizinversuchen wurden. Und erst jetzt, auch durch BR-Recherchen, beginnt in Bayern die Aufklärung. Den Bayern 2-Podcast zum Thema finden Sie hier [ Siehe @ https://www.br.de/mediathek/podcast/aufgedeckt-der-investigative-podcast/653 ].
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      QUELLE: BIZEPS - Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (Schönngasse 15-17/4, 1020 Wien, Österreich) @ https://www.bizeps.or.at/entsetzen-ueber-medikamentenversuche-in-deutschland/

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      Entsetzen über Medikamentenversuche in Deutschland

      12.05.2018, 8:55 Uhr --- kobinet-nachrichten

      Der am 9. Mai 2018 ausgestrahlte und mittlerweile auch ins Internet eingestellte Bericht des Magazins Kontrovers im Bayerischen Fernsehen über Medikamentenversuche an behinderten Menschen, die in Behinderteneinrichtungen lebten, hat viele berührt und Entsetzen ausgelöst.

      Während das bayerische Sozialministerium von einem bekannten Fall spricht, haben die RedakteurInnen des Bayerischen Rundfunks aufgezeigt, [ Siehe Video @ https://www.br.de/mediathek/video/br-recherche-heimkinder-fuer-medikamententests-missbraucht-av:5af19def7ff4600018413824 ] dass die damalige Nutzung von behinderten HeimbewohnerInnen alles andere als ein Einzelfall ist.
      U.a. wurde in der Reportage die Geschichte des Inklusionsbotschafters Martin Hackl aufgezeigt [ Siehe @ http://www.isl-ev.de/index.php/aktuelles/projekte/inklusionsbotschafterinnen/die-inklusionsbotschafterinnen/1999-martin-hackl ], der in den 70er Jahren als Kind massiven Medikamentenversuchen ausgesetzt war und erhebliche Schäden davon getragen hat.

      „Im mittelfränkischen Hilpoltstein wurde ein zehnjähriges Heimkind im Jahr 1975 zum medizinischen Versuchsobjekt – ohne sein Einverständnis. Das geht aus Dokumenten hervor, die BR Recherche vorliegen. Demnach musste der Junge damals ein Präparat schlucken, das noch nicht auf dem Markt war. Im Rahmen einer Arzneimittelprüfung. Heute ist Martin Hackl Mitte 50, schwer lungenkrank und kann sich kaum bewegen. Erst vor anderthalb Jahren ist er durch Zufall auf die Dokumente in seiner Heimakte gestoßen. Dem BR sagte er, er fühle sich betrogen und wolle mehr über das Ausmaß des Tests erfahren“, heißt es auf der Internetseite des Fernsehmagazins Kontrovers.


      Die Sendung

      [ Video-Zugang hier ]

      BR24 [ = https://twitter.com/BR24 ]

      Pharmafirmen haben bis in die 1979er Jahre an #Heimkindern Medikamente getestet. Ohne Einverständnis. Offiziell ist in Bayern nur ein Fall bekannt. Nachforschungen von @hawrankowa & @piarennt für BR_Recherche zeigen: Es gibt Hinweise auf mehr. #Medikamententests, #Tabelettenkinder
      14:54 9. Mai 2018
      LIKES: 49 | KOMMENTARE: 99 Nutzter sprechen darüber

      [ #Heimkinder = https://twitter.com/hashtag/Heimkinder?src=hash

      @hawrankowa = https://twitter.com/hawrankowa

      @piarennt = https://twitter.com/piarennt

      BR_Recherch = https://twitter.com/BR_Recherche

      #Medikamententests = https://twitter.com/hashtag/Medikamententests?src=hash

      #Tabelettenkinder = https://twitter.com/hashtag/Tablettenkinder?src=hash ]


      „Als Kind galt Martin Hackl als ‚umtriebig‘ und ‚schwachsinnig‘. Damals konnte er laufen und sprechen. Aus den Unterlagen geht auch hervor: Der sechswöchige Test verändert das Wesen des Jungen, irgendwann wehrt er sich dagegen, die Tabletten zu nehmen. Eine Einverständniserklärung liegt seiner Akte nicht bei. Ein Auszug aus den Aufzeichnungen des Heimarztes vom Februar 1975: ‚Von Martin wird berichtet, er bekomme laufend Wutanfälle, einen nach dem anderen, er lasse sich nicht anfassen, schreie und höre gar nicht mehr auf damit. Alles was man bisher mit ihm habe machen können sei unmöglich.‘“

      Das Präparat wurde dem Bericht zufolge ein Jahr nach dem Test, ab 1976, als Antidepressivum unter dem Namen Alival verkauft. Zehn Jahre später musste es die Pharmafirma Hoechst vom Markt nehmen – wegen Todesfällen und gravierender Nebenwirkungen an Leber, Niere und Lunge.

      Link zum Fernsehbericht und zu den Recherchen des Magazins Kontrovers des Bayerischen Rundfunks [ Siehe @ https://www.br.de/nachrichten/wie-heimkinder-zu-versuchsobjekten-wurden-100.html ]

      Neben dem Fernsehbericht wurde auch in Bayern 2 eine dreiteilige Podcast-Reihe ausgestrahlt, die über die Mediathek verfügbar ist.

      „Aufgedeckt – der investigative Podcast“ lautet der Titel mit folgender Ankündigung: „Gewalt, Missbrauch, Zwang: Viele Heimkinder mussten das in den Nachkriegsjahrzehnten erleiden. Allmählich kommt ans Licht, dass Heimkinder bis in die 70er-Jahre zudem Opfer von Medizinversuchen wurden. Und erst jetzt, auch durch BR-Recherchen, beginnt in Bayern die Aufklärung.“

      Den Bayern 2-Podcast zum Thema gibt es unter:
      https://www.br.de/mediathek/podcast/aufgedeckt-der-investigative-podcast/653

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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen, insbesondere mit Blick auf den Landschaftsverband Rheinland (LVR), Hauptsitz in Köln.

      QUELLE: NRZ - Neue Ruhr Zeitung (Regionalzeitung) - FUNKE MEDIEN NRW GmbH @ https://www.nrz.de/politik/pruegel-und-medikamentenmissbrauch-in-der-lvr-klinik-bonn-id214010023.html :

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      MISSBRAUCH
      Prügel und Medikamentenmissbrauch in der LVR-Klinik Bonn

      Stephan Hermsen
      13.04.2018 - 18:42 Uhr


      [ ARCHIVFOTO: „Der Schein trügt: Besuche gab es in den Kliniken in speziellen Räumen und nach Voranmeldung. Ansonsten wurden die von Krieg, Gewalt und Missbrauch geprägten Kinder eher versteckt.“ --- „Foto: Psychiatriemuseum Verrückte Zeiten Bonn“ ]

      AN RHEIN UND RUHR. Landschaftsverband stellt Studie über die Bonner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bonn vor. Verstöße bis in die 70er-Jahre hinein.

      Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat bis in die 70er-Jahre hinein Kinder und Jugendliche mit Medikamenten ruhiggestellt und bei Prügeleien zwischen den Kindern und Jugendlichen in den großen Schlafsälen nicht eingegriffen, so dass dort das Recht des Stärkeren galt.

      Das geht aus der Studie Gestörte Kindheiten – Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen Einrichtungen des LVR 1945 bis 1975 hervor, die Frank Sparing vom Institut für Geschichte der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Silke Fehlemann (Uni Dresden) im Auftrag des LVR erstellten. Dafür haben sie 400 der rund 15 000 Patientenakten ausgewertet.


      Mit Medikamenten ruhig gestellt

      Wandten sich die verprügelten Kinder hilfesuchend an die Pfleger, wurde ihnen vom oftmals überforderten Personal „verweichlichtes“ Verhalten vorgeworfen. Als Strafen wurde unter anderem mehrtägiges „Im-Bett-bleiben“ verordnet.

      Um dies durchzusetzen, wurden die Kinder und Jugendlichen mit Medikamenten ruhiggestellt. Frank Sparing sprach angesichts des Medikamenteneinsatzes von „in Teilen kollektiver Vergiftung“, von der man bei der stark überdosierten Gabe von Psychopharmaka sprechen müsse.

      Bei der Präsentation der Studie sagte Ulrike Lubek, Direktorin des LVR, mit Blick auf die Betroffenen: „Sie haben in unseren Einrichtungen dieses Leid erfahren. Das verschweigen wir nicht, und wir bekennen uns zu der Verantwortung. Aus tiefster Seele entschuldigen wir uns bei all jenen, die dieses Unrecht erlitten haben.“

      Bereits seit einigen Jahren hat sich der LVR die Aufarbeitung auch der Nachkriegsgeschichte zu eigen gemacht – mit zum Teil erschütternden Erkenntnissen. So spricht Frank Sparing von einer „verspäteten Modernisierung“ beim LVR, dessen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bonn damals bundesweit Lenkungsfunktion für psychisch kranke und behinderte Kinder und Jugendliche hatte.


      Weitere Studien zu dem Thema sollen folgen

      Hinzu kamen für die Kinder extrem schmerzhafte diagnostische Verfahren mit zweifelhafter Aussagekraft wie die Pneumenzephalographie, bei der die Kinder unter schweren Kopfschmerzen litten. Vor der Untersuchung bekamen die Kinder beruhigende Medikamente, dennoch versuchten Kinder aus Angst vor der Untersuchung zu fliehen.

      Die abwertenden Diagnosen – so wurden missbrauchte Mädchen als „unsittlich“ abqualifiziert – und Medikamentenpläne wurden von den Heimen, die die Kinder und Jugendlichen übernahmen, selten infrage gestellt. Zu den größeren aufnehmenden Einrichtungen gehörte das Essener Franz-Sales-Haus, das sich bereits vor einigen Jahren mit der eigenen Geschichte von Misshandlungen auseinandergesetzt hat. Auch der LVR kündigte weitere Studien an, die sich den im gleichen Zeitraum behandelten Erwachsenen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen widmen will.


      >>>MEHR INFORMATIONEN UND HILFEN:

      Die Studie Gestörte Kindheiten – Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen Einrichtungen des LVR 1945 bis 1975 umfasst rund 220 Seiten und kostet 19 Euro. Sie ist im Metropolverlag erschienen. ISBN: 978-3 86331-371-5 .

      Der LVR bietet Hilfe, Beratung und ggf. auch Entschädigungen für Opfer von Misshandlungen an. Anträge müssen allerdings nach derzeitiger Rechtslage bis Ende 2019 gestellt werden. Kontakt zur Anlauf und Beratungsstelle gibt es unter 0221/809 5001, www.bit.ly/2JHUfD2 .

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      Alle Betroffenen, bundesweit, sollten sich absolut darüber bewusst sein, dass dies natürlich keineswegs eine „Entschädigung“ darstellt und dass der Begriff und die immer wieder wiederholte Nutzung des Begriffs „Entschädigung“ kirchlicherseits und staatlicherseits (und in allen Medien einfach so wiederholt und nachgeplappert), in diesem Zusammenhang, völlig unangebracht ist. Es wird bisher von niemanden der Verursacher in Deutschland – was damalige Medikamententests und den damaligen Medikamentenmissbrauch betrifft – den Opfern und Geschädigten eine diesbezüglicheEntschädigungin Aussicht gestellt !!
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      Medikamentenversuche an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

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      Pressemeldung ausgehend vom Landschaftsverband Rheinland (LVR - Hauptsitz Köln):

      QUELLE: http://www.lvr.de/de/nav_main/derlvr/presse_1/pressemeldungen/press_report_137158.jsp :

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      Pressemeldung

      „Schluck das oder ich hole die Frau Doktor!“

      14. Mai 2018 | Jugend

      Petra Alice Berg war Psychiatriepatientin in den 1970er Jahren / Sie leidet noch heute unter den Folgen von Medikamentenmissbrauch und vorenthaltener Schulbildung / Die Anlauf- und Beratungsstelle beim LVR bietet Betroffenen Unterstützung und Leistungen der Stiftung Anerkennung und Hilfe an [ aber keine wirkliche Entschädigung ist vorgesehen ]

      Köln. 14. Mai 2018. Petra Alice Berg war zwölf Jahre alt, als sie im Juli 1968 in ein Kindersanatorium eingewiesen wurde. In ihrer Jugend war sie in zwei Heimen und immer wieder in der Psychiatrie. Heute ist die Wuppertalerin 62, kann sich aber noch gut an das erinnern, was ihr vor fünfzig Jahren widerfuhr: „Im Kindersanatorium probierte man ohne Einwilligung meiner Mutter Medikamente an mir aus, die noch nicht im Handel erhältlich waren oder noch nicht an Kindern erprobt wurden – vor allem Neuroleptika aber auch Schlafmittel.“

      Nachdem man ihr die ersten Medikamente verabreichte, bekam Petra Alice Berg Tobsuchtsanfälle und hörte Stimmen. Von dem Saft, den sie nehmen musste, wurde ihr immer schlecht. Wenn sie sich wehrte, bekam sie zu hören: „Schluck das oder ich hole die Frau Doktor, dann kriegst du es gespritzt“. Die Tobsuchtsanfälle sind auch nach dem Absetzen der Medikamente geblieben und haben Petra Alice Berg noch viele Jahre belastet. Sie vermutet, dass aus einem seelischen Trauma aufgrund von Kindheitserlebnissen eine echte Schizophrenie wurde – durch die Medikamente.

      „Trotz eines überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten und einer außergewöhnlichen Sprachbegabung konnte ich nur einen Schulabschluss auf einer heimeigenen Sonderschule machen. Gerne wäre ich Übersetzerin oder Lektorin geworden“, sagt sie. Am Ende der Schulzeit hatte sie jedoch nur knapp drei Jahre Englischunterricht gehabt und konnte diesen Wunsch nicht verwirklichen.

      Ihr Leben lang hatte sie nur Hilfsarbeitsstellen, ging stundenweise putzen. Aufgrund vieler körperlicher und seelischer Leiden galt sie schon immer als schwer oder gar nicht vermittelbar. Seit 2006 ist sie erwerbsunfähig. Sie ist auf betreutes Wohnen und eine Haushaltshilfe angewiesen. Insgesamt sechs Mal hat sie über die Jahre versucht, sich das Leben zu nehmen. „Mittlerweile bewahrt mich mein Glaube davor“, sagt Berg heute.

      Andreas Naylor leitet die Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). „Bei unserer Arbeit mit den Betroffenen hören wir oft von ähnlichen Erlebnissen. Das erfahrene Leid ist für die Menschen kein singuläres Ereignis. Es ist für sie traumatisch und prägt in vielen Fällen ihren ganzen Lebensverlauf“, sagt er. Aufgabe der Anlauf- und Beratungsstelle ist es, Menschen beim Beantragen von finanziellen Leistungen aus der Stiftung Anerkennung und Hilfe zu unterstützen, die von Bund, Ländern und Kirchen ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung richtet sich an Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975, wie Petra Alice Berg, schlimme Erfahrungen in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen gemacht haben.

      Betroffene erhalten eine pauschale Geldleistung in Höhe von 9.000 Euro zur Anerkennung von erlittenem Unrecht und zur Linderung der Folgewirkungen. Wer in den Einrichtungen sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ohne dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, erhält darüber hinaus eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro.

      Auch Petra Alice Berg hat sich entschieden, mit einer Beraterin der Anlauf- und Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen. Die hat sie zu Hause besucht und mit ihr besprochen, was die nächsten Schritte sind. Schließlich erhielt Petra Alice Berg sowohl die Anerkennungsleistungen als auch die Rentenersatzleistung. „Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen, sich auch bei der Anlauf- und Beratungsstelle des LVR zu melden“, sagt sie rückblickend. Von dem Geld will sie ihre Autobiographie veröffentlichen. Der Titel lautet „Es ist nicht leicht, verrückt zu sein“.

      „Insgesamt haben sich leider noch zu wenig Menschen bei uns gemeldet“, sagt Andreas Naylor. Die Stiftung Anerkennung und Hilfe schätzt, dass rund 3.300 Menschen in NRW Leistungen erhalten können. Gemeldet haben sich beim LVR bisher 704 Menschen aus dem rheinischen Landesteil von NRW, von denen 306 bereits Geld aus der Stiftung erhalten haben. Bis Ende 2019 können sich Betroffene aus dem Rheinland noch anmelden (Tel.: 0221 809-5001).

      Ansprechpartner für redaktionelle Fragen:

      Till Döring
      LVR-Fachbereich Kommunikation
      Tel 0221 809-7737
      Mail till.doering@lvr.de



      Weiterführende Links

      Internetseite der Anlauf- und Beratungsstelle beim LVR [ Siehe @ http://www.lvr.de/de/nav_main/derlvr/organisation/anlauf__und_beratungsstelle_fuer_ehemalige_heimkinder/anlauf__und_beratungsstelle_fuer_ehemalige_heimkinder.jsp ]

      ● Pressemitteilung vom 18. April 2018 zur Veröffentlichung der LVR-Studie "Gestörte Kindheiten. Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen Einrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland (1945–1975)" [ Siehe @ http://www.lvr.de/de/nav_main/derlvr/presse_1/pressemeldungen/press_report_133249.jsp ]

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