Verletzte Kinderseelen bleiben

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      Verletzte Kinderseelen bleiben

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      Verletzte Kinderseelen bleiben

      Auch nach Jahrzehnten ist das, was damals passiert ist, so lebendig, als wäre es vor wenigen Wochen geschehen. Situationen und Bilder haben sich in die Seele eingebrannt. Wer Alfred K. undHerbert Z. (Namen von der Redaktion geändert) gegenübersitzt und ihnen zuhört, wird ergriffen. Alfred K. und Herbert Z. sind heute 60 und 59 Jahre alt. Beide wurden nach der Geburt als unehelich geborene Kinder - damals ein Skandal - in das Kinderheim „Haus Sonnenschein“ in Rheine-Bentlage abgeschoben. 14 Jahre lebten sie dort: Alfred K. von 1950 bis 1964, Herbert Z. von 1951 bis 1965.

      Sexuell missbraucht wurden sie im „Haus Sonnenschein“ nicht. Aber sie wurden von Nonnen geschlagen, mit Kleiderbügeln und Schuhen verprügelt und gedemütigt.

      Bereits im Juni 2009 - lange bevor Berichte über sexuellen Missbrauch von unzähligen Schülern vor allen in katholischen Internaten Tag für Tag Nachrichtensendungen und Zeitungen bestimmen - waren der 60- und der 59-Jährige an die an die Öffentlichkeit gegangenen: Im Sommer 2009 erzählten sie gegenüber unserer Zeitung erstmals öffentlich von ihrer Kindheit im „Haus Sonnenschein“.

      Jetzt, neun Monate später, tun sie es erneut? Warum? „Weil zu dem, was passiert ist, einfach noch nicht alles gesagt ist“, sagt Alfred K. Und fügt hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass mich das alles mit 60 Jahren emotional noch so beschäftigt.“ Die aktuellen Berichte über sexuellen Missbrauch und Demütigungen vor allem in katholischen Internaten haben beide erneut umgehauen, den 59-Jährigen noch mehr als seinen Freund. Erleichterung, sagt Herbert Z., sei nicht das richtige Wort, er habe aber schon gedacht, als er die ersten Berichte gehört und gesehen habe: „Wir waren also nicht die Einzigen.“

      Alfred K. sagt, dass er Anfang dieses Jahres in der ersten Nacht, nachdem erstmalig über sexuellen Missbrauch und Demütigungen von Schülern berichtet worden sei, nicht eine Minute geschlafen habe. „Die Misshandlungen waren wieder da, das läuft ab wie ein Film.“ Und der heute 60-Jährige sagt diesen Satz: „Noch schlimmer als selbst geschlagen zu werden, war es zu sehen, wie andere verprügelt wurden.“ Der 60-Jährige fährt mit so einer Intensität fort zu erzählen, als ob mit den Worten aus dem Mund auch der Dreck aus der Seele endgültig und für immer verschwinden würde: „Ich sehe dich noch in der Ecke“, sagt er zu seinem Freund, der an diesem Dienstagnachmittag im März 2010 im Wintergarten in Reckenfeld mit am Tisch sitzt: „Du hast auf dem Boden gehockt, und die Schwester hat mit einem Kleiderbügel zugeschlagen und nicht aufgehört. Das Bild vergess ich nie.“

      Alfred K. erinnert sich daran, wie er einen Stuhl kaputtgemacht hatte. „Ich musste so lange auf Eierkohlen knien, bis der Stuhl wieder repariert war.“

      Beide erzählen, dass viele im „Haus Sonnenschein“ selbst im Alter von 12 oder 13 Jahren nachts ins Bett gemacht haben. Angst sei das alles bestimmte Gefühl gewesen. Bemerkten Nonnen die nasse Bettwäsche oder später die getrockneten Ränder, gab es wieder Schläge.

      Dass in den 50er und 60er Jahren und auch noch später auch Eltern ihre Kinder mit Schlägen bestraften, wissen beide. „Wenn Eltern das machen, ist das schon schlimm - aber christliche Menschen? Von einer Nonne so gedemütigt zu werden ....“ Es sind in diesem Moment keine vollständigen Sätze, die ganz offensichtlich tief aus dem Herzen eines 60 Jahre alten Mannes kommen - heute selbst Familienvater und glücklich verheiratet.

      „Ganz schlimm war die Isolation“, sagt Herbert Z.. Er wurde eingesperrt. Immer wieder in ein Zimmer ohne Toilette. Einmal sah er aus dem Fenster, wie alle anderen Kinder zur Kirmes gingen. Während des eineinhalbstündigen Gesprächs an diesem Abend im März 2010 füllen sich die Augen des 59-Jährigen immer wieder mit Tränen - übers Gesicht läuft keine.

      Nachts war es generell verboten, auf die Toilette zu gehen. Alfred K. erzählt von einer Nacht, in der er starke Schmerzen gehabt habe. „Heute weiß ich, dass das der Blinddarm war.“ Er habe sich nicht getraut, zu sagen, dass er Schmerzen habe, sei zur Toilette gegangen. Eine Nonne habe ihn erwischt. „Ich musste mich aufs Bett legen, die Hose herunterziehen und bekam Schläge auf den nackten Po“ - obwohl er sich vor Schmerzen gekrümmt habe. „Ab diesem Punkt habe ich mir geschworen, das passiert dir nie wieder.“

      Alfred K. fing an, sich zu wehren, schlug zurück - und wurde weniger verprügelt.

      Sein jüngerer Freund - beide trafen sich nach vielen Jahren zufällig in Münster wieder - schaffte es nicht, sich zu wehren.

      Was beide Männer heute nicht freut, aber ihnen doch hilft, ist die Tatsache, dass ihnen heute, über 50 Jahre danach, geglaubt wird.

      Ihre Frauen - beide sind Familienväter - taten es von Anfang an

      https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Greven/2010/03/Greven-Verletzte-Kinderseelen-bleiben

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Sonnenschein1954“ ()

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      Ich glaube lieber Sonnenschein dass Du dieses nie vergessen wirst.Leider hast du so viel Schlimmes erfahren dass deine Seele nur auf schreit.Ich wünschte dir,dass du das mit einer guten Freundin teilen kannst.Hast du eigentlich einen Sohn ich meine etwas aehnliches gelesen zu haben
      Ich dachte immer,ich haette Schlimmes erfahren.. Gute Nacht.

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      Herbert 1960 schrieb:



      Da seht ihr mal wie Ostdeutsche Mütter leid angetan wurde. Ich möchte euch bitten das wir näher zu sammen rücken das heist die negative Einstellung gegen DDR Eller ruhen zu lassen. Denn jeder von uns hat im Leben sein schmerz erleben müssen. Wenn ich da eine verkehrte Meinung hab dann liegt es daran weil ich in meinem Leben viel negatives erleben musste. Ich betone wie ihr auch.
      Ich bin gern bei euch hier im Forum weil alles in ruhe zu geht.
      Ich hoffe das ich alt werde hier im Forum LG: Herbert.




      Wer sich aufgibt hat verloren :)

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      Ursula 2006 schrieb:

      Ich glaube lieber Sonnenschein dass Du dieses nie vergessen wirst.Leider hast du so viel Schlimmes erfahren dass deine Seele nur auf schreit.Ich wünschte dir,dass du das mit einer guten Freundin teilen kannst.Hast du eigentlich einen Sohn ich meine etwas aehnliches gelesen zu haben
      Ich dachte immer,ich haette Schlimmes erfahren.. Gute Nacht.


      Nein, Ursula ich habe keine Kinder, lebe allein, habe Geschwister, aber keinen Kontakt mehr