Bildungsverweigerung seitens HEUTIGEN Jugendämtern und Heimleitungen

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      Bildungsverweigerung seitens HEUTIGEN Jugendämtern und Heimleitungen

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      ES SCHEINT, ES BESTEHT KEINE SCHULPFLICHT FÜR HEIMKINDER !!

      ES SCHEINT, HEIMKINDERN WIRD AUCH HEUTE SCHULBILDUNG VERWEIGERT !!

      ES SCHEINT, HEUTZUTAGE: Jugendämter und Heimleitungen sehen die Beschulung von Heimkindern als „nicht so wichtig“ an.


      QUELLE: TAZ @ http://www.taz.de/!5572946/ :

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      Weniger Rechte für Heimkinder

      „Wir wollten gern zur Schule“

      22.02.2019

      KAIJA KUTTER Redakteurin taz-Hamburg

      THEMEN: #Kinderheim ; #Schulpflicht ; #Inobhutnahme ;

      [ FOTO: „Für viele Heimkinder ein Traum: ganz normaler Unterricht. --- Foto: dpa“ ]

      Die heute 22-jährige Isabell* hat ihre Kindheit in Heimen verbracht – Jahre davon ohne Schule. Der Fall ist typisch und ein Ärgernis. Ein Protokoll.

      Ich wurde ganz normal mit sechs Jahren eingeschult, das war 2002 in Bremen. Ich lebte damals schon in einem Kinderheim. Und ich ging gern zur Schule. Natürlich war manches schwieriger. Einmal sollten alle Kinder zeigen, wo ihr Zuhause ist. Ich lebte ja nicht bei meinen Eltern. Da kamen alle Kinder der Klasse zu uns ins Heim zum Frühstück. In der 5. Klasse bin ich dann umgezogen, in ein Heim in Schleswig-Holstein. Das war ein Hof im Kreis Schleswig-Flensburg. Sie ersten drei Monate ging ich nicht zur Schule, weil ich mich eingewöhnen sollte. Dann wurde ich erneut in die 5. Klasse im Dorf eingeschult, mit einer Schulbegleitung dabei.

      Ich ging dort gern zur Schule. Und ich hatte auch viele Freunde in der Klasse. Ein paar Wochen musste ich zur Beobachtung in ein anderes Heim, das nur für Jungs war. Die Regeln dort waren streng, und es ging keiner zur Schule. Zum Glück durfte ich wieder zurück auf den Hof. Ich besuchte eine ganz normale Hauptschule mit Fächern wie Deutsch, Mathe, Englisch, Geschichte und Sport. Ich sollte sogar in die Realschule wechseln, weil ich mich in den meisten Fächern langweilte. Aber in Mathe war ich dafür zu schlecht.

      Eines Tages holte mich ein Betreuer direkt von der Schule ab und fuhr mich zurück nach Bremen. Es hieß, dass ich dort meine Eltern besuchen darf. Erst als ich in Bremen war, erfuhr ich, dass ich dort weg musste, weil es in Schleswig-Holstein nicht mehr ging. Ich wurde einfach „umgetopft“. Warum, weiß ich nicht. Ich wäre gerne dort geblieben.

      In Bremen kam ich dann erst mal in einer Übergangseinrichtung für Mädchen. Ich habe dem Jugendamt gesagt, dass ich zur Schule möchte. Die haben gesagt, dass sie mich nicht anmelden, weil es noch keine feste Einrichtung gibt. Ich war schon in der 7. Klasse. Ich bin dann hin zu einer Schule und habe versucht, mich anzumelden. Das ging nicht, weil ich dafür eine nötige Unterschrift vom Amt nicht bekam. Das zog sich dann ein Jahr lang hin. Ich war von zwölf bis 13 in vielen Einrichtungen, die alle nur Übergangsphasen waren. Ich wäre gern in eine 7. Klasse gegangen. Es hieß, das geht nicht.

      Heute weiß ich durch einen Diagnostik-Test, welche enormen Lücken ich in allen Rechengebieten im Fach Mathematik habe.

      Aufgaben im Zimmer

      Mit 13 kam ich dann in ein geschlossenes Heim in Brandenburg. Da gab es keine richtige Schule. Ich bekam Aufgaben ins Zimmer, um allein zu lernen. Es gab eine Gruppenbeschulung mit vier, fünf Bewohnern, die man sich verdienen konnte, wenn man seine Punkte bekam. Und es gab eine Heimschule auf dem Gelände. Ich war nur in Einzel- und Gruppenbeschulung. Und am Ende bekam ich ein 6.-Klasse-Zeugnis ohne Noten von einer Grundschule, die ich nie zu sehen bekam. Dabei wäre ich eigentlich längst in der 7.

      Danach mit 14 kam ich in ein Heim in einem nördlichen Vorort von Berlin. Da habe ich zuerst nur die Heimschule besucht. Es gab eine Klasse auf dem Gelände, da wurde auf Förderschulniveau unterrichtet. Das war echt „Kindergarten“, ich habe mich zum Teil verarscht gefühlt. Nach einem Jahr dort durfte ich endlich wieder eine richtige Schule besuchen. Es ging jeden Tag acht Stunden, ich war nur vier Stunden dort, um mich einzugewöhnen. Die Mitschüler waren etwas sauer, dass ich früher gehen darf.

      Von Bundesland zu Bundesland

      Als Heimkind ist es genau anders herum. Wir wollten gern zur Schule. Ich habe dort an der neuen Schule gemerkt, wie schwierig es ist, von einem Bundesland zum anderen zu wechseln. In Bremen ist die Schule leichter als in Brandenburg. Nach vier Monaten habe ich aufgegeben, dahin zu gehen.

      Ich war schon 16 und zog nach Bremen zurück. Dort lebte ich wieder in einer Notunterkunft und bin fast ein Jahr nicht zur Schule gegangen. Das waren nun fast drei Jahre ohne Schule. Es hieß auch, mit 17 Jahren sei ich zu alt.

      Ich habe mir dann selber einen Platz an einer Oberschule gesucht. Die Schulleiterin war ganz erstaunt. Dass eine selber zur Schule will, habe sie noch nicht erlebt. Ich besuchte dort die 9. Klasse mit jüngeren Mitschülern, die 15 waren. Das ging eine Zeit gut. Ich habe dort aber aufgehört, als meine Jugendhilfemaßnahme auf der Kippe stand und diese große Unsicherheit mich sehr belastete. Ich bekam am Jahresende einen Abschluss ohne Prüfung, der ganz schlecht war. Durchschnittnote 5,5.

      Lücken im Lebenslauf

      Ich kenne sehr viele ehemalige Heimkinder, die keinen Schulabschluss haben und darunter heute leiden. Und ich kenne keinen, der durchgängig zur Schule gegangen ist. Es entstehen Lücken im Lebenslauf, die sich schwer wieder aufholen lassen. Man leidet daran ein Leben lang.

      Das Leben im Heim ist eindeutig besser mit Schule. Man möchte auch was Neues lernen und nicht immer nur unter den gleichen Leuten sein. Ich lerne gerne. Wenn ich nicht raus darf, ist es sehr schwierig.

      Wir haben uns im Heim oft gelangweilt. Man sitzt nur rum, alle auf einem Haufen. Wenn man im Heim ist, freut man sich auf die Schule. Es gibt weniger Zeit zum Blödsinnmachen.

      Schulpflicht für Heimkinder

      Ich finde, es sollte eine Schulpflicht für Heimkinder geben wie für ganz normale Kinder. Oder man sollte sie alternativ wenigstens bei einer Fernschule anmelden. Man muss die Wissbegier ernst nehmen. Ein Problem ist, dass in Heimen meist Förderschullehrer sind, die auf Förderschulniveau unterrichten.

      Inzwischen bin ich schon 22 und wohne seit drei Jahren alleine. Ich habe eine Ausbildung in Haus- und Familienpflege angefangen und wieder abgebrochen. Dann habe ich mit Hilfe des Jobcenters einen Kurs für einen erweiterten Hauptschulabschluss gemacht mit externer Prüfung. Ich hatte eine 2,0 und war eine der Klassenbesten. Demnächst mache ich den Realschulabschluss, auch mit externer Prüfung. Danach mache ich vielleicht eine Ausbildung in Richtung Kinderpflegerin.

      Mein Lieblingsfach ist heute Mathe, was früher mein Hassfach war. Wir nehmen gerade Stochastik und Wahrscheinlichkeitsrechnung durch. In Mathe bin ich besser als in allen anderen Fächern.

      *Name geändert

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      Ich kenne sehr viele ehemalige Heimkinder, die keinen Schulabschluss haben und darunter heute leiden.
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      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit!
      "Ich kenne sehr viele ehemalige Heimkinder, die keinen Schulabschluss haben und darunter heute leiden. Und ich kenne keinen, der durchgängig zur Schule gegangen ist. Es entstehen Lücken im Lebenslauf, die sich schwer wieder aufholen lassen. Man leidet daran ein Leben lang." Zitat Ende.

      Das kann ich voll und ganz bestätigen Martin.
      Mir ist ähnliches zu gestossen.
      Im Grunde war ich nur die ersten beiden Jahre regulär in der Schule.
      Eine kleine Dorfschule in Baden-Würtemberg,jedoch schon im Heim,Haus Aichele.
      Das war die beste Zeit meiner Kindheit/Jugend.
      Danach 3. und 4. Klasse im Taunusheim,Schlimm.
      Die Klassen 1 bis 4 gleichzeitig in einem Raum,gelernt habe ich da wenig.
      Dafür gab es Mißhandlungen ohne Ende,das nebenbei.
      Als mein Großvater,der mich ablehnte,jedoch ein hoher Beamter der Stadt war der das Heim unterstellt war und viele den Kopf schüttelten wieso und weshalb ich dort war,ließ er seine Beziehungen spielen und ermöglichte mir die Aufnahmeprüfung für die Odenwaldschule,kurz OSO.
      Ich bestand diese Prüfung als Zweitbester,was niemand erwartet hatte.
      Ich wurde angenommen,konnte mich nach den 2 Jahren Taunusheim dort nicht einleben.
      Das war die einzigste Chance für mich gewesen und ich habe es vermasselt.
      Danach fand kein regelmässiger Schulbesuch mehr statt.
      In Staffelberg,wo ich einen Abschluss machen sollte wurde ich zur Zwangsarbeit gezwungen,mit 14Jahren.
      Nach Staffelberg wurde mir vom Jugendamt Frankfurt eine Lehrstelle besorgt,als Großhandelskaufmann,da wusste jeder das ich keinen Schulabschluß hatte,ein Heimkind war und wurde dem entsprechend behandelt.
      Nach einem Jahr habe ich die Lehre beendet.
      Am Anfang versuchte ich noch nach Arbeitsplätzen die meinen Fähigkeiten entsprachen-sinnlos.
      Spätestens wenn ein Lebenslauf verlangt wurde habe ich es gelassen.
      Was hätte ich denn erzählen sollen?
      Ich habe mein Lebtag gearbeitet,bei kleinen,meist Familienbetrieben im Transport und Speditionsgewerbe.
      Wo nicht immer die Sozialabgaben abgeführt wurden,so das meine Rente nicht üppig ist.
      Das kann nur nach vollziehen der es selber erlebt hat.
      Wenn mir hier einer erzählt:vergiß die Heimzeit kriege ich echt Zorn.
      Heimkind zu sein bedeutet ein lebenslanges Stigma.